Potenzial von Open Government Data OGD

Von offenen Verwaltungsdaten zum messbaren Mehrwert: Wie Open Government Data KI-Anwendungen und Insights aufwerten können.

Offene Verwaltungsdaten (OGD) haben viel Potenzial für operativen Mehrwert: Sie erweitern interne Datenbestände, unterstützen KI-Agenten und ermöglichen präzisere Insights.

Warum OGD jetzt relevant sind

In einer Zeit, in der immer mehr Unternehmen darauf achten, Entscheidungen auf Basis von Daten zu treffen, werden offene Verwaltungsdaten (Open Government Data, OGD) zunehmend wichtiger. Was als Instrument für die Transparenz des Staates begann, hat sich zu einer Ressource für die Wirtschaft entwickelt. Für datenorientierte Organisationen entsteht durch solche Daten ein operativer Mehrwert: verlässliche, dokumentierte und standardisierte Daten, die interne und spezifisch erhobene Datenbestände erweitern und ergänzen. Dazu stellen Bund, Kantone und Gemeinden Daten interoperabel bereit. Dies reduziert den Aufwand für Bereinigung, Aufbereitung und Integration erheblich und schafft einen stetig wachsenden Fundus an Daten, die für datenbasierte Insights und Services genutzt werden können.

Was sind OGD?

Open Government Data (OGD) sind Verwaltungsdaten, die nach den FAIR-Prinzipien auffindbar, frei zugänglich, maschinenlesbar und vor allem auch ohne Nutzungseinschränkungen bereitgestellt werden. Sie stammen aus klar definierten Erhebungsprozessen, werden entsprechend dokumentiert und ihre Metadaten sind standardisiert. Dies gewährleistet hohe Reproduzierbarkeit und Nachvollziehbarkeit.

Wo finden sich OGD?

Auf der zentralen Publikationsplattform des Bundes (opendata.swiss) werden OGD-Daten aus Bund, Kantonen, Gemeinden und weiteren öffentlich beauftragten Organisationen zusammengeführt. Das Spektrum des Angebots reicht von Gemeindegrenzen, Bevölkerungs- und Wirtschaftsstatistiken über Verkehrs-, Umwelt- und Energiedaten bis hin zu Wetter- und Gesundheitsinformationen. Für die Nutzung durch Unternehmen entsteht damit ein einheitlicher Zugangspunkt zu einem thematisch vielfältigen Datenangebot.

Damit die OGD technisch und semantisch integrierbar sind, kommen einheitliche Metadaten-Standards zum Einsatz. Zentral ist hier DCAT-CH, das Schweizer Profil des europäischen Metadatenstandards DCAT. Der Standard definiert, wie Datensätze beschrieben werden – etwa mit Angaben zu Herausgeber, Thema, räumlicher Gültigkeit, Aktualität oder Lizenz. So können OGD leichter gesucht, verglichen und eingebunden werden

Ein wachsendes Angebot steht zur Verfügung

Ein Blick auf opendata.swiss zeigt die Breite des Angebots: nahezu 14’000 Datensätze, zahlreiche verantwortliche Stellen und vielfältige Anwendungen, vom Energie-Dashboard bis zu Mietpreisübersichten oder Abstimmungsanalysen. Diese Daten dienen oft nicht einfach als Ersatz für interne Daten oder Erhebungen, sondern als unabhängige Referenz, um Modelle zu kalibrieren, Analysen zu validieren und Ergebnisse korrekt einzuordnen. Durch ihren Entstehungsprozess im Rahmen von Verwaltungsprozessen sind sie teilweise sehr spezifisch, bilden aber für Regionen oder die ganze Schweiz meist die Gesamtsituation (im Sinne einer Vollerhebung) ab. Sie können so als Ground-Truth-Proxy genutzt werden und dazu beitragen, Insights aus anderen Quellen zu objektivieren und Verzerrungen zu reduzieren.

Entwicklungspotenzial mit Open by Default

Mit dem Bundesgesetz über den Einsatz elektronischer Mittel zur Erfüllung von Behördenaufgaben (EMBAG, Inkrafttreten 1. Januar 2024) und der dazugehörigen Digitalisierungsverordnung (DigiV, Inkrafttreten 1. Mai 2025) wurde die Bereitstellung offener, maschinenlesbarer Verwaltungsdaten durch die Bundesverwaltung im Sinne des Open by Default-Prinzips verbindlich verankert. Damit ist die Bereitstellung von OGD nicht nur eine Good Practice, sondern eine dezidierte Aufgabe, die das Angebot in den kommenden Jahren wachsen lassen wird. Ziel ist, dass OGD Innovationsfähigkeit, Transparenz und Effizienz der öffentlichen Verwaltung fördern, indem sie neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Verwaltung, Wirtschaft und Forschung ermöglichen. Internationale Analysen (etwa der OECD) zeigen, dass offene Verwaltungsdaten ein wesentlicher Treiber für evidenzbasierte Politik, nachhaltige Verwaltungsleistungen und datengetriebene Marktinnovationen sein können. Die Schweiz verfolgt damit eine langfristige strategische Ausrichtung, in der hochwertige, interoperable und wiederverwendbare Daten als öffentliches Gut betrachtet werden. Unternehmen wie auch die Zivilgesellschaft und die Forschung sollen gleichermassen davon profitieren.

OGD und KI passen gut zusammen

Mit der wachsenden Verbreitung generativer KI in den letzten Jahren entstand kurz der Irrglaube, dass diese die Grundlagenarbeit an den Daten ersetzen könnte. Heute hingegen rückt die Frage nach belastbaren, neutralen und dauerhaft verfügbaren Daten ins Zentrum. Gute KI braucht gute Daten. OGD bieten hierfür eine wichtige Grundlage, da sie unabhängig erhoben, standardisiert dokumentiert und regelmässig aktualisiert werden. Mit dem wachsenden Angebot haben sie das Potenzial, als stabile und verlässliche Referenzpunkte für Trainings- und Validierungsprozesse zu dienen. Sie ermöglichen, Modelle gegen Vergleichswerte zu testen, Fehlerquellen früh zu erkennen und Verzerrungen zu minimieren. Zudem unterstützen sie agentische Systeme sowie RAG-Anwendungen, indem sie eine reproduzierbare Faktenbasis liefern. Dadurch entstehen nachvollziehbare, überprüfbare Insights, die direkt in Geschäftsprozesse einfliessen und die Qualität datenbasierter Entscheidungen verbessern.

Use Cases: Wie Unternehmen konkret profitieren können

Wie sich anlässlich des Swiss Insights Talks zum Thema «Potenziale & Herausforderungen von Open Data in der KI-gestützten Marktforschung» zeigte, ist das heutige Angebot an OGD noch nicht perfekt – die Schweiz bewegt sich mit ihrem Angebot im europäischen Mittelfeld. Aber wie Rolf Schenker von Statistik Stadt Zürich aufzeigte, können gute (linked) offene Daten der Verwaltung schon heute so durch LLMs genutzt werden, dass sie feine semantische Unterschiede erkennen und den Nutzenden auch die richtige Antwort liefern können. In einem gemeinsamen Beitrag der BSI Software AG und des BFS (Bundesamt für Statistik) konnten Christoph Bräunlich und ich zudem anhand eines von BSI erarbeiteten Prototypen zeigen, wie aus OGD in einem CRM-System ein konkreter Mehrwert entstehen kann. Beispielsweise, indem diese Systeme mit Kontextinformationen zu den Kund:innen angereichert werden. Vor allem aber, wie Agents für Banken und Versicherungen aus Geodaten spezifische, auf die Kund:innen zugeschnittene Angebote für Überschwemmungsschäden oder die Finanzierung von Solardächern automatisch generieren können.

OGD: Ein potenzieller Verstärker für KI und Insights

In einer zunehmend KI-geprägten Welt werden vertrauenswürdige Daten zur Währung der Wirklichkeit: Sie verhindern Verzerrungen, schaffen Orientierung und erhöhen die Zuverlässigkeit automatisierter Entscheidungen. Da OGD dabei allen und für alle Nutzungen frei zur Verfügung stehen, sind sie nicht per se eine Grundlage für einen Wettbewerbsvorteil und ebenso wenig ein billigerer Ersatz für interne Daten oder spezifische Erhebungen aus der Marktforschung. Sie können aber wichtige Verstärker sein, wenn sie durch datenkompetente Unternehmen gezielt eingesetzt werden. Die Kombination aus hochwertigen öffentlichen Daten und KI-Methoden, spezifischen Kompetenzen und Daten aus der Marktforschung oder generell der Generierung von massgeschneiderten Insights hat so das Potenzial, nachvollziehbare und robuste Insights sowie skalierbare Anwendungen mit operativem Mehrwert zu schaffen.

Samuel Schütz
Strategieberater Direktion, Beisitzer der GL, BFS
Vorstandsmitglied Swiss Insgiht

samuel.schuetz@bfs.admin.ch, +41 58 463 67 25

Samuel Schütz ist Politikwissenschaftler, hat Erfahrung mit der strategischen Entwicklung in datenintensiven Aufgaben der Verwaltung und arbeitet seit 2013 in verschiedenen Funktionen im Bundesamt für Statistik BFS. Als Strategieexperte bei der Direktion des BFS prägt er seit 2020 die Ausrichtung des Amtes mit.

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Swiss Insights News #26-1

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Swiss Insights TALK – Potenziale & Herausforderungen von Open Data in der KI-gestützten Marktforschung

Wie ermöglichen Verwaltungsdaten, Linked Open Data und KI neue Einsichten und Geschäftsmodelle?

Am 30. Oktober 2025 fand in Zürich ein weiterer spannender Swiss Insights TALK statt. Die zahlreichen Teilnehmenden setzten sich intensiv mit Impulsen, Diskussionen und konkreten Anwendungen rund um offene Verwaltungsdaten, KI‑Technologien und Marktforschung auseinander.

In vier Referaten wurden folgende Themen beleuchtet

Von OGD zum konkreten Nutzen: Wie verwaltet der öffentliche Sektor Daten, wie werden sie bereitgestellt und welchen wirtschaftlichen Nutzen lässt sich daraus generieren? (Impuls von Samuel Schütz, Bundesamt für Statistik, BFS)

Wenn offene Daten sprechen lernen: Der Einsatz von Linked Open Data (LOD) am Beispiel des Chatbots MeLODy zeigte Rolf Schenker von Statistik Stadt Zürich, wie semantisch verknüpfte Daten eine KI‑Anwendung ermöglichen.

Von Open Data zum Kundenkontakt: In einem Use‑Cases, zeigten Christoph Bräunlich, BSI und Samuel Schütz, BFS, wie AI‑Agents offene Daten mit internen CRM‑Systemen verbinden und so neue Business‑Modelle ermöglichen.

Heisse Eisen, offene Daten: Lukas Golder und Dr. Tobias Keller von gfs.bern zeiten mit Blick auf politische Abstimmungs‑ und Wahlforschung (z. B. durch gfs.bern), wo offene Daten genutzt und auch publiziert werden, und welche ethischen, rechtlichen und methodischen Herausforderungen damit verbunden sind.

Was steckt dahinter?

OGD bezeichnet die strukturierte, frei verfügbare Bereitstellung von Verwaltungsdaten. Dabei spielen technische Qualität (maschinenlesbar, standardisiert, offen lizenziert) sowie der einfache Zugang eine zentrale Rolle.

Daraus resultiert ein konkreter Nutzen

Mehr Klarheit durch Verknüpfung: Statt generischer Begriffe wie z.B. «Einwohner Zürich» werden eindeutige Konzepte eingesetzt.

  1. KI‑Anwendung wie MeLODy zeigen, wie Daten korrekt interpretiert, Quellen angegeben und Antworten präzise geliefert werden können.
  2. OGD wie z.B. OpenData.swiss erleichtern die Arbeit und ermöglichen präzisere Hochrechnungen, gleichzeitig steigt aber auch die Abhängigkeit und der Wettbewerbsdruck erhöht sich.
  3. Kombination von CRM, offenen Daten und AI‑Agents schafft skalierbare Geschäftsmodelle: externe Daten reichern interne Kundendaten an und ermöglichen personalisierten Dialog.

Chancen

  • Automatisierte Datenverarbeitung: Offene, gut strukturierte Daten reduzieren Aufwand und erhöhen Geschwindigkeit.
  • Zusätzliche Datenpunkte = mehr Genauigkeit: Durch die Einbeziehung externer Verwaltungsdaten lassen sich neue Erkenntnisse gewinnen.
  • Innovation durch Verknüpfung: LOD und KI eröffnen neue Wege, Daten für Marktforschung und Business‑Modelle zu nutzen.

Auf Folgendes sollte man achten

  • Abhängigkeit von einzelnen Datenquellen
  • Gefahr einer Monopolisierung trotz «Offenheit»
  • Fehler in Daten führen zu systematischen Folgefehlern
  • Ethische/ rechtliche Aspekte

Fazit

Die Veranstaltung zeigte eindrücklich, dass offene Verwaltungsdaten nicht nur „nice to have“ sind, sondern ein zentraler Treiber für datenbasierte Innovation sein können, vorausgesetzt, sie sind technisch, rechtlich und organisatorisch gut eingebettet.

Wir danken Referierenden Samuel Schütz, Rolf Schenker, Christoph Bräunlich, Lukas Golder und Dr. Tobias Keller für die lebendige Diskussion und den Austausch sowie Irina Brandenberger für die professionelle Moderation.

Danke an die Eventpartner

Ein herzlicher Dank geht an unsere Eventpartner. Sie leisten nicht nur einen wertvollen Beitrag zur Durchführung, sondern ermöglichen es auch, neue Themen aufzugreifen, aktuelle Entwicklungen zu reflektieren und gemeinsam den Blick über den Tellerrand hinaus zu richten.

gfs.bern, Bilendi, GIM Suisse AG, intervista ag Demoscope und smartinterviews

Präsentationen

  • Von OGD zum konkreten Nutzen: Wie die Verwaltung Daten öffnet und Innovation ermöglicht
    Samuel Schütz
    (Download Präsentation)
  • Wenn offene Daten sprechen lernen: Wie Linked Open Data den Chatbot MeLODy der Stadt Zürich ermöglicht
    Rolf Schenker
    (Download Präsentation)
  • Von Open Data zum Kundenkontakt: Wie öffentliche Daten und AI-Agents neue Business Cases ermöglichen
    Christoph Bräunlich, Samuel Schütz
    (Download Präsentation)
  • Heisse Eisen, offene Daten: Open Data in hitzigen Abstimmungsdebatten
    Lukas Golder, Dr. Tobias Keller
    (Download Präsentation)