Wie die SBB durch QR-Code-gestützte Datenanreicherung aus zwei Fragen konkrete Verbesserungen für Millionen Reisende ableitet
Der internationale Schienenverkehr erfreut sich in Europa immer grösserer Beliebtheit. Die Schweiz bildet dabei mit ihrer zentralen Lage, ihrem dichten Bahnnetz und den Alpentransversalen einen wichtigen Knotenpunkt. Von hier aus sind über 120 Destinationen in zehn Ländern direkt erreichbar. Ein Angebot, das jährlich zwölf Millionen Reisende nutzen. Möglich machen dies die SBB gemeinsam mit der Deutschen Bahn, den ÖBB, Trenitalia und der SNCF. Zusammen bieten die Partner täglich mehr als 90 grenzüberschreitende Verbindungen an, rund ein Drittel davon mit SBB-Zügen.
Trotz des umfangreichen Angebots und der hohen Auslastung zeigte eine Vorstudie der SBB zum internationalen Personenverkehr (IPV) eine vergleichsweise tiefe Kundenzufriedenheit. Kritisiert wurden insbesondere die Servicequalität, die Pünktlichkeit, die Problemlösung bei Störungen sowie die Kundeninformationen. Vor diesem Hintergrund beauftragte die SBB das Marktforschungsinstitut intervista mit einer Studie. Ziel dieser Studie war, die Bedürfnisse und Pain Points internationaler Zugreisender besser zu verstehen und eine fundierte Grundlage für Verbesserungsmassnahmen zu schaffen. Die Besonderheiten des internationalen Personenverkehrs brachten jedoch einige methodische Herausforderungen mit sich.
Grenzen klassischer Feedbackkanäle
Im Inland können Reisende ihre Zufriedenheit über E-Mail-Befragungen mitteilen oder sich bei Problemen direkt an den Kundendienst wenden. Im internationalen Personenverkehr stossen diese Kanäle jedoch rasch an ihre Grenzen. Viele Fahrgäste aus dem Ausland kennen die verfügbaren Kontaktmöglichkeiten des Kundendiensts nicht oder scheuen den Aufwand einer späteren Rückmeldung, insbesondere bei kleineren Problemen. Klassische E-Mail-Befragungen erreichen ebenfalls nur einen Teil der Kundschaft. Gerade bei internationalen Reisenden verfügt die SBB häufig nicht über die notwendigen Kontaktdaten. Das so entstehende Bild der Kundenzufriedenheit bleibt entsprechend unvollständig und verzerrt.
Um einen niederschwelligen Feedbackkanal zu schaffen, der möglichst viele Reisende erreicht, wurden in den Zügen an sämtlichen Sitzen QR-Codes angebracht, die direkt zur Befragung führen. So werden alle Reisenden mit Sitzplatz direkt während der Fahrt und damit unmittelbar im Nutzungskontext angesprochen. Der Feedbackkanal muss nicht aktiv gesucht werden und die Hürde zur Teilnahme sinkt erheblich.
Bild 1: Beispiel eines QR-Code-Klebers
Der Nachteil dieses Ansatzes liegt in der Einschränkung der Fragebogenlänge. Da die Befragung während der Fahrt ausgefüllt wird, muss sie möglichst kurz sein. Während klassische Kundenzufriedenheitsstudien eine Vielzahl von Kennzahlen erfassen und entsprechend viel Zeit erfordern, beschränkt sich diese Befragung auf zwei Fragen: eine Gesamtbewertung der Reise auf einer Skala von 1 bis 5 sowie eine offene Frage, in der die Fahrgäste ihre Bewertung mit eigenen Worten, Bildern oder Videos erläutern können. In der Marktforschung gewinnt dieser Ansatz, klassische Kennzahlen mit authentischen und kontextreichen Antworten zu ergänzen, zunehmend an Bedeutung. Ermöglicht wird diese Entwicklung durch KI-gestützte Auswertungsverfahren, die grosse Mengen unstrukturierter Daten effizient verarbeiten können. Im vorliegenden Projekt übernimmt dies die Schweizer Software Caplena. Sie übersetzt die Antworten ins Deutsche, anonymisiert sie und ordnet sie automatisch den relevanten Themenfeldern zu.
Von zwei Fragen zu detaillierten Insights
Um aus den Rückmeldungen konkrete Verbesserungsmassnahmen ableiten zu können, sind detaillierte Informationen über die Zugverbindung sowie den Zug selbst nötig. Da die Befragung aber nur zwei Fragen umfassen soll, können diese Reisedaten nicht über diese Abfrage erfasst werden. Daher werden individuelle QR-Codes genutzt, sodass der Befragungslink auf den jeweiligen Sitzplatz rückschliessen lässt. Dafür entwickelte intervista eine eigene QR-Scanner-App, mit welcher jeder QR-Code beim Anbringen der entsprechenden Sitz- und Wagennummer zugeordnet wird. Gemeinsam mit dem Zeitpunkt des Fragebogen-Ausfüllens können diese Informationen genutzt werden, um die Daten im Hintergrund über das Fahrplanauskunftssystem HAFAS mit weiteren Fahrtinformationen wie Zugnummer oder Route zu ergänzen. Diese minimale Befragung steigert die Teilnahmebereitschaft und ermöglicht aufgrund der Kombination mit intelligenter Datenanreicherung gleichzeitig eine präzise Analyse auf Ebene einzelner Züge, Wagen oder Sitzbereiche.
Bild 2: Datenerhebungsprozess
Der eigentliche Wert des Feedbacksystems zeigt sich jedoch in der Nutzung auf SBB-Seite und den daraus tatsächlich entstandenen Veränderungen. Die SBB visualisiert die Daten in einem thematisch gegliederten Power-BI-Dashboard, auf das organisationsübergreifend Stakeholder:innen aus dem internationalen Personenverkehr, dem Unterhalt, der Reinigung oder dem WLAN-Betrieb zugreifen können. Die Erkenntnisse dienen dabei nicht nur der langfristigen Messung der Kundenzufriedenheit, sondern vor allem dazu, aktuelle Probleme frühzeitig sichtbar zu machen und wiederkehrende Schwachstellen systematisch zu identifizieren. Dank der präzisen Zuordnung der Rückmeldungen zu einzelnen Zügen, Wagen oder Sitzbereichen kann der Suchaufwand gerade bei Wartungs- oder Reinigungsthemen erheblich reduziert werden. Gleichzeitig unterstützt das Feedbackvolumen in den einzelnen Themenbereichen die Priorisierung von Projekten und liefert Argumente in Besprechungen mit internen und externen Partner:innen. Die daraus abgeleiteten Massnahmen werden umgesetzt und ihre Wirksamkeit anschliessend wiederum wird über das QR-Code-Feedback überprüft.
Bild 3: Auswertungsprozess
Der direkte Mehrwert
Durch die vielen Rückmeldungen, welche durch die neue Methode gewonnen werden, konnten in der Praxis bereits verschiedene Verbesserungsmassnahmen umgesetzt werden. So machten die Rückmeldungen beispielsweise auf ein Problem mit Sitzverriegelungen in Astoro-Zügen aufmerksam. Zahlreiche Fahrgäste berichteten, dass sich Sitze nicht mehr korrekt arretieren liessen und deshalb nur in einer halb zurückgelehnten Position nutzbar waren. Erst die systematische Auswertung der QR-Code-Feedbacks machte den Umfang des Problems sichtbar und führte schliesslich zu einer gezielten Sanierungsinitiative.
Ebenso deutlich wurde der Nutzen des Systems beim Thema WLAN. Zahlreiche Reisende äusserten ihren Frust darüber, dass das WLAN immer wieder ausstieg und sie die Reisezeit nicht wie geplant zum Arbeiten nutzen konnten. Die zahlreichen Rückmeldungen machten das Ausmass der Probleme erstmals transparent und lieferten eine belastbare Datengrundlage für Gespräche mit dem externen Dienstleister. Während zuvor durchschnittlich lediglich 0,44 WLAN-bezogene Feedbacks pro Zug eingingen, stieg dieser Wert innerhalb von acht Monaten auf 48,4 Rückmeldungen pro Zug. Das hohe Feedbackvolumen erwies sich dabei als wirksames Mittel und trug einerseits zu einer gesteigerten Produktqualität und andererseits dazu bei, dass die technischen Mängel rasch behoben werden konnten.
Dank des einfach auffindbaren Feedbackkanals entsteht heute ein kontinuierlicher Strom an Echtzeitinformationen über das tatsächliche Reiseerlebnis – mit rund 3’000 Rückmeldungen pro Woche aus mittlerweile 60 mit QR-Codes ausgestatteten Zügen. Die Rückmeldungen fungieren als Frühwarnsystem, machen bislang unbekannte Probleme sichtbar und liefern eine belastbare Grundlage für die Priorisierung und Umsetzung von Verbesserungsmassnahmen.
Das Projekt verdeutlicht, dass die Qualität der Erkenntnisse nicht zwangsläufig von der Länge eines Fragebogens abhängt. Entscheidend sind vielmehr das Timing der Fragen und die inhaltliche Verwertbarkeit der Antworten sowie die Kombination aus niedrigschwelliger Datenerhebung und der Anreicherung mit Kontextdaten. So genügen zwei gut gewählte Fragen, um Veränderungen anzustossen, die das Reiseerlebnis von Millionen Fahrgästen spürbar verbessern.
Anina Gächter Technische Projektleiterin, intervista AG
Anina Gächter ist Projektleiterin bei intervista. Mit ihrem Hintergrund in Sozialwissenschaften und mehrjähriger Erfahrung als IT-Projektleiterin ist sie spezialisiert auf die Entwicklung digitaler Produkte und Begleitung technisch anspruchsvoller Kundenprojekte.
Lia Batschelet leitet das Team Kundenmanagement International bei der SBB. Mit ihrem Hintergrund in Konsumentenforschung engagiert sie sich mit viel Leidenschaft für ein positives Kundenerlebnis im Zug und bringt die Kundenperspektive konsequent in die Entwicklung und Optimierung der Angebote ein.
NPS is more than a score. Used effectively, it links customer feedback to business performance and highlights where management should focus.
Relational Net Promoter Score (NPS) is a simple and widely used measure of customer loyalty, but the score alone does not explain why loyalty changes or where an organization should act. In addition, relational NPS is particularly challenging to interpret because of its multi-causal nature. In this article, I share my personal experience of working with NPS at Hilti across multiple countries. I discuss how the business relevance of NPS can be demonstrated by linking customer loyalty to relevant business indicators. I also show how combining customer perceptions measures, CRM data and internal operational KPIs can help organizations understand what lies behind changes in NPS. Ultimately, I conclude that NPS becomes actionable when the insights team moves beyond reporting the score and acts as an internal consultant – connecting customer feedback with internal data and KPIs to explain changes in customer loyalty and identify where management attention and resources should be focused.
Making NPS actionable
Relational Net Promoter Score is one of the most widely used customer metrics. It is simple KPI, derived by asking customers one single question, it’s easy to communicate and often visible at the highest levels of an organization. Yet its simplicity can also become its limitation. An NPS score tells us whether customer loyalty appears to be moving in the right direction. It does not automatically explain why or where a problem occurred or what the organization should do next. The question is: How can NPS help the business decide where to act?
Relational and transactional NPS serve different purposes
An important starting point is to distinguish between relational and transactional NPS. Transactional NPS measures customer feedback following a particular event or interaction. Customers may be asked how likely they are to recommend a company based on a specific experience such as a recent sales consultation, delivery or repair. Because the feedback refers to a defined moment, transactional NPS is comparatively easy to interpret. The score suggests if the specific experience was positive or indicates that something in that interaction did not meet the customer’s expectations.
Relational NPS is different. It measures the customer’s overall relationship with the company and is commonly used as an indicator of customer loyalty. However, the reasons behind that loyalty are rarely straightforward. A customer’s overall assessment can be influenced by many different factors. Relational NPS is therefore a multi-causal outcome; while it provides important insights on loyalty, taking action based on it presents a challenge.
The rest of this article will therefore focus on how relational NPS can be made actionable.
Relational NPS matters – but only when linked to business outcomes
One of the key steps in making NPS actionable is gaining stakeholders’ attention by demonstrating its relevance to the business. Linking NPS to business performance helps show that NPS is not only a metric for customer loyalty, but also an indicator connected to commercial outcomes. This is particularly important for stakeholders who are responsible for the P&L.
There is no single correct way to demonstrate the commercial relevance of NPS. One option is to compare revenue development among promoters, passives and detractors. Another is to simply quantify the revenue generated by detractors and highlight it as potentially at risk. You can also compare churn, retention and cross-selling rates across NPS groups. The objective is not necessarily to identify one perfect correlation, but to show that differences in customer loyalty are associated with behaviors and outcomes that matter to the business.
Loyalty is built on several pillars
Establishing the business relevance of NPS is an important first step. The next challenge is to understand what actually drives the customer loyalty reflected in the score. Conceptually, customer loyalty can be shaped by three broad pillars: • strong products and solutions; • excellent customer experiences; • a reliable and trusted brand.
When these pillars are strong, it becomes easier to gain loyal customers. When one of them weakens – for example because of product issues, service disruptions or concerns about the brand – NPS may decline, sometimes before the effect becomes visible in traditional business metrics
NPS alone is not enough
The big question is: Which specific factors within those pillars are shaping customer loyalty and where should the organization act?
To look beyond the score, we combine three analytical perspectives:
First, 15 customer perception statements covering brand, product and service topics are included in the NPS survey to identify the factors associated with customer loyalty. Regression analysis then shows which of these perceptions have the strongest impact on NPS.
Second, connecting the NPS results to CRM data reveals where the issue occurs. It allows to analyze NPS by customer segment, customer size, customer preferred purchase channel or service usage.
Third, correlating NPS with internal operational KPIs helps explain what customers may actually have experienced. These KPIs can include repair experience, delivery performance or interactions with sales representatives.
The key takeaway of those analyses confirms that loyalty is earned on multiple fronts. Price and product performance, brand trust, well-executed customer experience initiatives, and great people all contribute to creating promoters and reducing detractors.
NPS as an internal consultancy tool
Demonstrating the business relevance of NPS and combining multiple perspectives – including customer perception statements asked alongside NPS, CRM data, and internal KPIs – helps explain changes in customer loyalty and identify where management should focus its attention and resources. In this context, the role of the insights team also changes. Its responsibilities are no longer limited to ensuring methodological quality and reporting results. Instead, the team evolves into an internal consultant that links customer feedback with what is happening in the business.
The discussion therefore moves beyond the question of whether the NPS score has increased or declined, and focuses on the underlying business factors that may be driving this change. These may include improvements in the customer experience resulting from specific initiatives, developments in the sales organization that affect customers’ relationships with sales representatives, brand campaigns that influence brand perceptions, or changes to the product offering and pricing that shape perceptions of the product and its value
Karol Zyskowski Head of Brand and Customer Insights, HILTI HQ
Karol Zyskowski is Head of Brand and Customer Insights at HILTI HQ. As an expert in Customer and Market Insights, he brings 18 years of experience spanning both FMCG and B2B environments. With a background in sociology, he is deeply interested in understanding how people’s decisions are shaped. His work focuses on customer insights across the entire product lifecycle, from identifying customer needs and shaping early ideas to concept and prototype testing, product launches, communication development and in-market performance. In doing so, he connects customer data with business opportunities to support customer-centric decision-making.
Künstliche Intelligenz, Remote-Interviews, hybride Designs: Warum persönliche Forschung trotz aller digitalen Alternativen relevant bleibt, zeigt dieser Blick auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Studioforschung.
Herkunft der Studioforschung: der etablierte Standard
Face-to-Face-Befragungen galten lange als zentraler Standard der qualitativen Forschung, etwa in Gruppendiskussionen oder Tiefeninterviews. Ich erinnere mich noch gut an meine erste Interviewschulung 2007. Damals schien es undenkbar, dass die erlernten verbalen und nonverbalen Kommunikationsfähigkeiten auf digitale Tools übertragbar sein könnten. Die Kompetenzen, die für die qualitative Interviewführung vermittelt und erlernt wurden, schienen ausschliesslich in direkter menschlicher Interaktion anwendbar. Digitale Methoden existierten zwar bereits in jener Zeit, etablierten sich in der Schweiz jedoch vergleichsweise langsam.
Studioforschung während und nach Corona: Zwang zu Distanz, Neubewertung und Hybridlösungen
Was über Jahre als gesetzter Standard galt, wurde mit der Corona-Pandemie plötzlich infrage gestellt – und musste sich unter neuen Rahmenbedingungen bewähren. Wir haben uns dazu die Buchungen im Studio der GIM Suisse in Zürich angeschaut.
Die Auswertung zeigt, wie viele Tage das Studio von GIM Suisse für Face-to-Face-Befragungen (z. B. Fokusgruppen, Einzelinterviews, Workshops) gebucht wurde. Nicht überraschend ist, dass die Buchungen ab 2020, also mit der Corona-Pandemie, zurückgegangen sind. 2025 waren die Buchung wieder auf dem Niveau von 2018, was aufgrund der hohen Akzeptanz von digitalen Methoden nicht unbedingt zu erwarten gewesen wäre. Schauen wir uns die Veränderungen an, die zu diesen Schwankungen geführt haben.
Abbildung 1
Während der Corona-Pandemie unterlagen Fokusgruppen im Studio strengen Abstands- und Hygieneregeln sowie Quarantänemassnahmen. So sorgten wir für verschiedene Hygienemassnahmen und schafften für die Gruppen Spuckschutzwände an. (siehe Abbildung 2).
Abbildung 2
Teilweise wurden Fokusgruppen zur besseren Einhaltung der Abstandsregeln durch Einzelinterviews im Studio ersetzt. Gleichzeitig wurden Remote-Tools plötzlich zum neuen Standard – oder zumindest zu einer wertvollen und notwendigen Alternative.
Der Aufwand, für eine Befragung ins Studio zu kommen, scheint in Zeiten zunehmend digitaler Kommunikation grösser als früher. Das zeigt sich, wie Frédéric Yerly von Yxplora AG (einer unserer Rekrutierungspartner) beschreibt, bereits bei der Rekrutierung der Teilnehmenden:
«Schon vor Covid, aber durch die Pandemie noch verstärkt, stellten wir fest, dass die Teilnahmebereitschaft für die Befragung vor Ort im Studio gesunken ist. Dass man pünktlich irgendwo erscheinen muss, ist eben nicht so bequem. Und die Leute sind nicht mehr so flexibel. Vielleicht geht auch das Pflichtbewusstsein etwas verloren.» (Frédéric Yerly, Yxplora)
Es gibt also Ansätze, für die sich Teilnehmende leichter gewinnen lassen als für eine Studiobefragung – weil letztere an einen festen Ort gebunden ist.
Notgedrungen entwickelte sich in den Jahren der Pandemie eine grundlegende Neubewertung der Methodenwahl. Anstatt die Standardlösung zu sein, wurden Face-to-Face-Befragungen nach den Corona-Massnahmen zur bewussten Entscheidung. Forschende und Auftraggebende prüfen heute bei jeder Fragestellung, ob die Studie im Studio, online oder in Form einer Kombination aus beidem durchgeführt werden soll – das Methodenrepertoire ist deutlich gewachsen.
Studioforschung heute: Warum ist persönliche Forschung nach wie vor relevant?
Wir stellten diese Frage Kundinnen und Kunden, die 2025 bei uns im GIM-Suisse-Studio waren; acht davon gaben uns ausführlich Feedback. Abb. 3 zeigt eine Übersicht der Gründe, die zum Entscheid für eine Durchführung im Studio geführt haben.
Abbildung 3
Die direkte menschliche Interaktion spielt bei der Entscheidung für die Studiovariante eine zentrale Rolle – sowohl die Interaktion zwischen Befragten und Moderierenden wie auch die Möglichkeit, die Teilnehmenden live zu sehen und die Ergebnisse später greifbar und überzeugend vermitteln zu können.
«Die persönlichen Eindrücke und konkreten Aussagen der Teilnehmenden blieben uns nachhaltig im Gedächtnis, sodass wir diese nicht nur intern gezielt weitervermitteln, sondern unsere Argumentation auch mit echten, greifbaren Beispielen untermauern und wichtige Punkte überzeugend hervorheben konnten.» (Laura Giacometti und Eva Konrad, Denner)
Bei der Moderation von Video-Fokusgruppen ist es mitunter eine Herausforderung, dass die Teilnehmenden nicht durch andere Medien oder Personen in ihrer Umgebung abgelenkt werden. Für das Involvement der Befragten hat die direkte Interaktion im Studio also klare Vorteile: Sie nehmen die Befragung ernster und sind bei einer Diskussion im Studio stärker eingebunden. Zudem macht die Gruppendynamik das Gespräch für sie interessanter.
Je digitaler unsere Kommunikation, desto wertvoller wird der persönliche Austausch wahrgenommen – ein Eindruck, den auch unsere Auftraggebenden teilen. Auf die Frage, weshalb sie im vergangenen Jahr Studiobefragungen durchgeführt haben, nannten viele ausdrücklich den direkten Kontakt zwischen Menschen.
«Die menschliche Moderation – sofern sie kompetent, professionell und authentisch ist – wird längerfristig nicht komplett ersetzbar sein. Ein echtes Lächeln, eine empathische Reaktion oder die Fähigkeit, Zwischentöne wahrzunehmen und darauf einzugehen, bleiben unbezahlbar. Das Teststudio wird unserer Meinung nach weiterhin eine zentrale Rolle spielen für Studien, die auf tiefe Einblicke, authentische Interaktion und menschliches Verständnis angewiesen sind.» (Andrea Migliorati, Sanitas)
Interessanterweise erleben auch die Befragten selbst die direkte Interaktion als wertvoll – zumindest, wenn sie einmal diese Erfahrung gemacht haben. Frédéric Yerly von Yxplora AG berichtet, dass Personen, die zum ersten Mal ins Studio eingeladen werden, zunächst oft etwas ängstlich seien, wenn sie hörten, dass sie während der Diskussion mit anderen an einem runden Tisch sitzen würden. Haben sie jedoch einmal teilgenommen, möchten sie meist sofort wiederkommen. Das Erlebnis im Studio bleibt also positiv in Erinnerung.
Ob die Projektverantwortlichen selbst vor Ort sind oder die Gruppen per Webstream beobachten, wird unterschiedlich bewertet. Das Studioerlebnis kann für unsere Auftraggebenden in bestimmten Arbeitsphasen entscheidend sein, um die Zielgruppe unmittelbar zu erleben und Beobachtungen direkt im Austausch mit Kolleg:innen und Forschenden einzuordnen.
Einige schätzen auch den direkten Kontakt mit den Moderierenden; die Möglichkeit, Inputs zu geben oder sich direkt auszutauschen. Andere sehen hinter dem Einwegspiegel kaum einen Mehrwert im Vergleich zur Remote-Beobachtung.
«Ob wir vor Ort dabei sind oder die Studio-Gruppe über einen Stream beobachten, ändert für uns als Beobachtende nicht viel.» (Anouk Grünert, Swisslos)
«Für uns war diese Möglichkeit sehr wichtig. Gerade bei komplexeren Themen oder psychologischeren Fragestellungen hilft ein Eingreifen dabei, noch besser zu verstehen.» (Julia Weyerstraß, Yakult)
Wir konnten beobachten, dass Auftraggebende zunehmend Studien in Auftrag geben, bei welchen Befragte und Moderierende vor Ort sind, nicht aber die Auftraggebenden selbst. Dabei spielt einerseits eine Rolle, dass digitale Tools inzwischen eine kostengünstige Alternative sind und hochwertige Remote Beobachtungen ermöglichen, und dass andererseits durch den Wegfall von Ausgaben für Betreuung, Catering und die Miete von Beobachtungsräumen für Fokusgruppen weitere Kosten eingespart werden können.
Zu guter Letzt gibt es für bestimmte Forschungsfragen kaum Alternativen zur Studioforschung – etwa, wenn Teilnehmende anders nicht erreichbar sind, strenge Geheimhaltung erforderlich ist oder Produkte haptisch, visuell oder geschmacklich erlebt werden müssen. Eine blosse Betrachtung von Materialien auf einem Laptop reiche in solchen Fällen nicht aus, um valide Ergebnisse zu erzielen, erklärt Sonja Schwaiger von Hilcona.
«Damit dieses Material in Originalgrösse in der Gruppe betrachtet, sortiert und kommentiert werden kann, haben wir uns für die Durchführung im Studio entschieden.» (Sonja Schwaiger, Hilcona)
Die Zukunft der Studioforschung: Fazit und Ausblick
Die qualitative Forschung hat ihr Methodenrepertoire in den letzten Jahren stark erweitert. Studioforschung ist nicht verschwunden, sondern hat ihren Platz neu gefunden: als bewusste Entscheidung für Situationen, in denen persönliche Interaktion, Beobachtung und gemeinsame Erfahrung einen Mehrwert schaffen. Je digitaler Forschung wird, umso klarer zeigt sich, wo menschliche Begegnung nicht ersetzbar ist – und genau dort wird Studioforschung auch künftig ihre Berechtigung haben.
Die Mehrheit der Auftraggebenden sieht die Zukunft der Studioforschung übrigens in hybriden Forschungsdesigns – etwa mit KI-Unterstützung bei Moderation, Protokollierung, gezielten Interventionen im Interview, digitalen Regalen im Studio oder der zusätzlichen Befragung von «Digital Twins» zur Sample-Optimierung.
«Sinnvoll erscheinen uns kombinierte Ansätze, bei denen quantitative, qualitative und digitale Methoden gezielt ineinandergreifen.» (Vanessa Bumann, Valora)
Wie Sie dem Artikel entnehmen können, gehen auch wir als GIM Suisse davon aus, dass die persönliche Befragung vor Ort in der qualitativen Marktforschung weiterhin einen relevanten Platz einnehmen wird. Als Forschende begeistert es uns zu sehen, wie sich die Methode weiterentwickelt – nicht trotz, sondern durch den Einsatz von KI und hybriden Forschungsdesigns.
Marieke Wünsche Senior Research Manager, GIM Suisse AG
Entdecken Sie die Möglichkeiten, die KI-Persona-Bots Unternehmen und der Marktforschung bieten, um Insights zum Leben zu erwecken, und erfahren Sie mehr über wichtige Grundsätze für eine verantwortungsvolle Nutzung.
Ein Rückblick
Personas entstanden im späten 19. Jahrhundert als soziologisches Instrument zur Darstellung der Merkmale bestimmter Bevölkerungsgruppen. Max Weber (1864-1920), Pionier und Gründer dieses Konzepts, betonte, dass der Zweck von Personas darin besteht die strategischen Aspekte (manchmal übertrieben) zu verkörpern und zum Leben zu erwecken, die berücksichtigt werden müssen, um wirksame Entscheidungen zu treffen. Mit der Zeit wurden Personas in der Marktforschung eingesetzt, um die Motivationen und Erwartungen der Menschen besser zu verstehen. In den 1980er Jahren wurden Personas in der UX-Forschung genutzt, um die Diskrepanz zwischen Designvorhaben und Benutzer:innen-Anforderungen zu überbrücken. In der Folge setzten Marketing- und Strategieabteilungen Personas ein, um Käufergruppen zu definieren und bestimmte Profile anzusprechen.
Die Funktionen von Personas
Die Funktionen von Personas:
Eine Persona repräsentiert eine Kundengruppe durch ein psychologisches und verhaltensbezogenes Profil. Sie fördert das Verständnis dieser Gruppe und gestaltet die Ergebnisse für die Nutzerin oder den Nutzer möglichst handlungsorientiert. Personas haben sich im Laufe der Jahre weiterentwickelt und erfüllen mehrere wichtige Funktionen:
Kreativität anregen: Personas erfassen Emotionen und Standpunkte und regen so innovatives Denken und kreative Lösungen an.
Daten zum Leben erwecken: Personas vermenschlichen abstrakte Daten und schaffen eine Diskussionsplattform, die als Ausgangspunkt für Co-Creation und iterative Entwicklung dient.
Internes Abstimmen von Teams: Personas sorgen für ein einheitliches Verständnis der Zielgruppen im gesamten Unternehmen und vereinfachen die Kommunikation.
Begrenzen von Risiken: Personas bieten einen sicheren Rahmen, um Ideen zu testen und zu verfeinern, Entscheidungen zu dokumentieren und die Übereinstimmung mit den tatsächlichen Bedürfnissen der Kundinnen und Kunden sicherzustellen.
Der Aufstieg von KI und Persona-Bots
Mit dem technologischen Fortschritt sind Personas ausgefeilter geworden und beinhalten nun auch KI-gesteuerte Tools. Diese Entwicklung hat zur Erstellung von Persona-Bots geführt. Dies sind interaktive Einheiten, mit denen z. B. Marketing-Teams und Marktforschende kommunizieren und Erkenntnisse gewinnen können. Die Herausforderung besteht darin, ein Gleichgewicht zwischen der Einfachheit von Personas und der Tiefe der Erkenntnisse zu finden, die sie liefern. Es gibt immer mehr Methoden und Möglichkeiten für eine bessere Entscheidungsfindung, Zusammenarbeit und Innovation.
Ipsos hat mit der revolutionären Ipsos PersonaBot-Lösung, die auf der Ipsos-eigenen generativen KI-Plattform basiert und sich auf eine umfassende wissenschaftliche Validierung stützt, eine Vorreiterrolle in diesem Gebiet übernommen. Dieses neue Tool, das wir inzwischen bei einer beträchtlichen Anzahl internationaler und Schweizer Kundinnen und Kunden im Einsatz haben, ermöglicht den Mitarbeitenden einer Organisation die Interaktion mit Personas, die ihre Zielgruppen repräsentieren. Teams können dynamisch mit Zielgruppen kommunizieren, Ideen schnell testen und mit Einfühlungsvermögen auf sich verändernde Bedürfnisse reagieren – und all dies auf der Grundlage methodisch fundierter Forschung.
Über ein sicheres Portal können Benutzer:innen Fragen zu allen möglichen Themen stellen: Einstellungen und Verhaltensweisen, Anforderungen an die Kommunikation, Präferenzen für die Art der Nachrichten und Kanäle usw. Die Personas können individuell oder als Gruppe befragt werden, fast wie eine Fokusgruppe. Die Plattform kann auch direkt mit Frameworks zur Aktivierung verknüpft werden, z. B. mit Vorlagen für Briefings von Agenturen.
Wenn Personas auf einer soliden Grundlage qualitativer und quantitativer Forschung durch erfahrene Expertinnen und Experten aufgebaut sind, dienen Persona-Bots als unschätzbare Tools für die Ideenfindung, die Hypothesenbildung und die Berücksichtigung des Menschen in jeder Diskussion im Unternehmen. Sie sind jedoch kein Ersatz für fundierte Marktforschung und menschliches Urteilsvermögen, wenn es darum geht, Erkenntnisse zu validieren und strategische Entscheidungen zu treffen. Persona-Bots sind nur so gut wie das Fachwissen und die Daten, die in ihre Erstellung einfliessen.
Erstellung eines Persona-Bots
Die Erstellung eines effektiven Persona-Bots erfordert mehr als nur die Eingabe von Rohdaten in ein KI-System. Es erfordert eine sorgfältige Aufbereitung und Organisation der Informationen, einschliesslich:
Wer: Grundlegende demografische und psychografische Informationen über die Persona.
Warum: Das Verständnis der Motivationen, Bedürfnisse und Einstellungen der Persona.
Was: Einblicke in die Marken und Produkte, welche die Persona nutzen könnten.
Wo: Verstehen des Kontexts und der Anlässe für die Produktnutzung.
Der Lebensstil: Ein umfassenderes Bild des allgemeinen Lebensstils, der Interessen und der Mediengewohnheiten der Persona.
Neben den Fakten profitieren Persona-Bots auch davon, dass sie mit Beispielen von Sprachgebrauch und Persönlichkeitsmerkmalen angereichert werden, um die Denkweise der Persona besser zu verstehen. Auch Bilder können das Persona-Profil aufwerten, wobei jedoch darauf geachtet werden muss, dass die KI-Algorithmen nicht durch bestehende Vorurteile verzerrt werden.
Verzerrungen («Biases») und Einschränkungen
Personas helfen Designern und Marketingfachleuten zwar dabei, ihre Zielgruppen zu verstehen und Zielgruppenprofile zu erstellen, doch haben sie auch ihre Grenzen, die berücksichtigt werden müssen:
Realismus: Personas müssen auf einer gründlichen Beobachtung und Analyse beruhen. Mit KI ist es nur allzu leicht, Personas zu erstellen, die zwar realistisch erscheinen, aber nicht die tatsächlichen Kundengruppen repräsentieren. Die Glaubwürdigkeit einer Persona hängt stark von der Segmentierungsanalyse und der Expertise der Marktforscher:innen ab.
Repräsentativität: Personas sind Archetypen, keine monolithischen Konstrukte. Ihre Gültigkeit ist kontextspezifisch, d. h. sie besteht in Bezug auf einen Markt, ein Land, ein Objekt und einen Zweck.
Qualität der Priming-Daten (Input Daten): Die Qualität und Tiefe der erhobenen Daten sind entscheidend für KI-generierte Personas. Ungenaue oder verzerrte Daten können zu irreführenden Erkenntnissen führen.
Einschränkung der Perspektive: Persona-Bots können nur Fragen innerhalb des Bereichs der erhobenen bzw. analysierten Daten beantworten, nicht darüber hinaus.
Nicht-kausale Zusammenhänge: KI erkennt manchmal falsche Korrelationen und verwechselt diese mit kausalen Zusammenhängen. Menschliches Fachwissen ist für die Beratung unerlässlich.
Wichtige Erkenntnisse und zukünftige Entwicklungen
Bei verantwortungsvoller Anwendung haben Persona-Bots ein immenses Potenzial, KI zu vermenschlichen und die Stimme des Kunden/der Kundin (Voice of the Customer) auf eine nie dagewesene Weise in die Organisation einzubringen. KI-gestützte Persona-Bots stellen einen bedeutenden Fortschritt in der Marktforschung dar und bieten eine dynamische und interaktive Möglichkeit, Zielgruppen zu verstehen. Sie ersetzen nicht das menschliche Urteilsvermögen, sondern dienen als leistungsfähige Tools zur Inspiration und Ideenfindung. Im Zuge der weiteren Entwicklung und des Fortschritts werden Persona-Bots zu einem integralen Bestandteil, indem sie die Innovation beschleunigen und die Wirkung von Erkenntnissen in allen Branchen erhöhen. Es ist von entscheidender Bedeutung, Grundsätze festzulegen und eine verantwortungsvolle Anwendung dieser Tools zu gewährleisten, um ihr Potenzial voll auszuschöpfen und gleichzeitig mögliche Verzerrungen und Einschränkungen zu minimieren. Die Zukunft der Marktforschung wird zweifellos von diesen Fortschritten geprägt sein, und Persona-Bots stehen an der Spitze dieses Wandels.
Dieser Artikel basiert auf einem demnächst erscheinenden, neuen globalen Ipsos White Paper und wurde in einer Kombination aus Human Intelligence (Francesca & Guido) sowie Artificial Intelligence (Ipsos Facto) erstellt.
Best Practices for Automated Qualitative Interviews in Market Research – what to expect from LLMs and Vocal Transcripts in the AI era and how AI-driven automated interviews can be efficient.
Market research institutes regularly collect open-ended responses, but getting in-depth responses and manually analyzing such extensive open-ended data presents major challenges for researchers. Let’s explore how the adoption of LLMs and vocal transcripts helps to increase insight quality.
Best practices for open-ended quality at the Era of AI
By regularly offering voice transcription in our market research surveys, we have gained the following key insights that enable us to best adopt this technology.
#1 Audio that accompanies the text
Letting respondents both read and listen to the question helps them stay more focused. This dual approach enhances their attentiveness, making it a key factor in maximizing the quality of insights from your survey. Modern text-to-speech technology is highly efficient and sounds natural, ensuring a smooth experience.
Respondent said: “It’s really nice to answer the questions orally and hear them locally. It’s fun and interesting.”
#2 Voice as an option for market research surveys
Giving respondents the option to respond with or without voice decreases the potential fatigue.
Respondent said: “A pity to do it with a microphone; sometimes writing is more clear.”
#3 Voice requires clarity of mind
Using voice enables users to express their thoughts more openly and clearly, fostering more authentic and effective communication.
Respondent said: “An excellent experience with the microphone. I’ve noticed, and can say easily, that writing down responses to questions is automatic, while answering with the microphone requires a bit more dexterity.”
#4 No redundancy
Time is valuable – don’t waste your respondents’ time. An advanced AI model is needed to avoid looping the same conversation topics.
Respondent said: “The questions go in circles. The direction of the questionnaire ended up being more double what was originally stated.”
An effective AI modelization use could create important value for Market Researchers
The market research institute YouGov Switzerland partnered with Pulse Partners to test our new tool. The goal was to enhance the ability to collect and automatically classify qualitative insights at scale. With a survey involving approximately 3,600 respondents across Switzerland (both French- and German-speaking regions), we aimed to gain a deeper understanding of regional product perceptions.
Here are the key technological features we leveraged from our test of Smartinterview with YouGov :
1 – AI-Driven probing:
The survey adapted in real time, asking targeted follow-up questions to encourage respondents to expand on their answers, resulting in richer and more detailed insights. The context is driven automatically be the Market Researcher.
2 – Voice reads question:
The questions of the survey are read in the respondent’s language.
3 – Multi-lingual voice transcript:
The survey is conducted in French and Swiss German, ensuring cultural and linguistic relevance for Swiss respondents.
4 – Sentiment and topic analysis:
Key topics from responses are automatically classified with AI.
Effective AI implementation can drive significant value creation for Market Researchers
Here is a sample of what we get from the data collection with and without Smartinterview:
By adoptingSmartinterview, we have improved the depth and accuracy of the insights on regional product feedback and could propose this technology to end-client with more comprehensive insights.
Qualitative long-tail feedbacks
If we take the median, Smartinterview captures approximately 4 times more words per response. A likely explanation is that when respondents use voice, they naturally articulate their thoughts more freely and in greater detail.
Access to long-tail feedbacks: We have been able to capture detailed, highly specific feedback from a subset of respondents who would otherwise provide limited input (highlighted in yellow in the above graphic).
With Smartinterview, we can seamlessly integrate qualitative interviews within a quantitative survey, capturing in-depth insights in a single run. This approach eliminates the need for separate qualitative and quantitative studies, significantly reducing costs while maintaining the richness of open-ended responses typically found in real-life qualitative interviews.
The comparison graphics below illustrate the number of topics generated from a traditional open-ended question versus a Smartinterview open-ended question for each respondent, highlighting the depth and richness of insights captured.
Traditional methodologySmartinterview methodology
Here is what has been found:
2.2 times more topics captured per response – Compared to traditional open-ended questions, respondents provided significantly richer and more detailed answers, enabling a more comprehensive and nuanced analysis.
A seamless integration for Market Researchers and Companies
The collaboration between YouGov and Pulse Partners showcases the transformative power of AI and voice in market research surveys, enhancing insight quality without increasing costs. Market research companies can increase the depth and accuracy of their insights on regional product feedback and could propose this technology to its end-client.
“Smartinterview is an exciting tool with interesting possibilities. We were able to integrate it seamlessly into our survey, making it available for clients who may wish to use it with us in the future. In particular, we see potential for gaining more cost-effective insights: with Smartinterview, it may be possible to derive the same insights from open-ended questions with fewer survey respondents.” — Dr. Manuel Cariappa-Schwaninger, Research Consultant, YouGov
Welche Reduzierungsdarstellung überzeugt im Lebensmitteleinzelhandel
und welche weiteren Einflussfaktoren spielen eine Rolle?
It’s all about the price tag
Angenommen, wir betrachten Käufer:innen im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) beim Erledigen ihres täglichen Einkaufs. Sie wählen Produkte von ihrer Einkaufsliste aus, bleiben spontan bei reduzierten Angeboten stehen und legen das eine oder andere Produkt in ihren Einkaufswagen. Warum üben Reduzierungen eine gewisse «magische» Anziehungskraft auf uns aus? Welche Faktoren führen zu diesem (impulsiven) Verhalten, reduzierte Produkte zu erwerben? Und wie kann der LEH die Käufer:innen dazu bewegen, Produkte im Angebot zu kaufen, an die sie zuvor nicht gedacht hatten? Viele unterschiedliche Faktoren beeinflussen unser Kaufverhalten. Ein kostengünstiger und daher relevanter Faktor ist die optische Preisgestaltung.
Bisherige Untersuchungen erforschten hauptsächlich die Auswirkungen von prozentualen und absoluten Reduzierungen in hypothetischen Kaufszenarien, beispielsweise im Rahmen von (Online-)Experimenten. Dieser methodische Ansatz erfolgte jedoch isoliert von anderen Einflussfaktoren. Diese Studie in Zusammenarbeit mit einem führenden Lebensmitteleinzelhändler erforscht nun genau diese Lücke. Ziel ist es, die bisher nur in der Theorie nachgewiesenen Ergebnisse in einem realen Supermarkt-Setting zu überprüfen. Dafür wurde ein Zwei-Methoden-Ansatz verfolgt. Zum einen gab ein Online-Experiment Einsichten zu Bewertungen und Akzeptanz des Preisschildes aus Konsument:innensicht, zum anderen wurden im Rahmen eines Filialtests reale Abverkäufe gemessen. Der Fokus lag auf der Frage, ob Preisschilder mit prozentualen Reduzierungen auch unter nicht experimentellen Bedingungen zu höheren Abverkäufen führen als Preisschilder mit absoluten Reduzierungen. Zudem erforschte die Studie Moderationsfaktoren im Zusammenhang mit prozentualen Darstellungen und den Absatzzahlen im Filialtest. Dabei fiel die Wahl besonders auf bisher wenig oder gar nicht berücksichtigte Faktoren, wodurch eine Forschungslücke bezüglich Einflussfaktoren auf Produkt und Preis geschlossen wurde.
Dafür wurden mithilfe einer Clusteranalyse und anhand verschiedener Attribute möglichst ähnliche Referenz- und Testfilialen identifiziert. Insgesamt wurden 35 Filialen in den Test einbezogen. Letztendlich ergab sich ein Datensatz aus 5600 Produktdaten auf Basis von 438 verschiedenen Produkten und 873 Reduzierungen. Getestet wurde im Zeitraum vom 01.05.2022 bis zum 01.07.2022 in Deutschland.
Wirkung der Reduzierungsdarstellung auf den Abverkauf
Wie beeinflusst also die Art und Weise der Darstellung von Preisnachlässen die Konsument:innen in ihren Kaufentscheidungen? Die bisherige Forschung zeigt, dass diese Frage nicht einfach zu beantworten ist, sondern dass viele Faktoren Einfluss auf das Kaufverhalten von Konsument:innen haben. Generell beeinflussen prozentuale Darstellungen von Reduzierungen die Konsument:innen und führen zu höheren Abverkäufen von Produkten. Insgesamt ergab sich mit Einbezug der Baseline-Gruppe ein Gesamtanstieg des relativen Abverkaufs um 9,71 %. Das unterstützt die Annahmen des Preis-Promotion-Framings, nach dem wertmässig identische Reduzierungen nur aufgrund anderer Darstellung zu unterschiedlichen Kaufverhalten der Konsument:innen führen. Dies lässt auf unterbewusste, heuristische Wirkungen der prozentualen Reduzierungen schliessen, welche die subjektive Preiswahrnehmung von Konsument:innen beeinflussen. Damit ist die richtig eingesetzte optische Preisgestaltung ein geeignetes Mittel zur Steigerung von Abverkäufen.
Weil Beeinflussungsprozesse hingegen individuell ablaufen und im LEH nur einer von vielen Faktoren sind, mussten weitere relevante Moderationsfaktoren berücksichtigt werden. Der Fokus lag auf Faktoren, die zuvor nur wenig oder gar nicht betrachtet wurden. Dabei beeinflussen die Reduzierungstiefe und die Anzahl der Reduzierungen den Effekt der Stimulus-Gruppe auf den relativen Abverkauf positiv. Das bedeutet: Je höher die Reduzierung ist und je häufiger ein Produkt reduziert wird, desto besser ist der Abverkauf mit Preisschildern, die eine prozentuale Reduzierungsdarstellung haben. Ausserdem ist der Effekt der Abverkaufssteigerung besonders hoch bei Non-Food-Produkten.
Dahingegen moderieren sowohl der Produktpreis (unter 100 €), die Lebensdauer und die Woche der Reduzierung den Effekt der Stimulus-Gruppe auf den relativen Abverkauf nicht. Die besseren Abverkäufe bei dem Preisschild mit einer prozentualen Reduzierung sind also unabhängig von diesen Faktoren.
Implikationen für die Praxis
Die wichtigste Erkenntnis für die Praxis ist, dass Preisschilder mit einer prozentualen Reduzierung bei Produkten unter 100 € zu höheren Abverkäufen führen. Vor allem im LEH ist dieses Ergebnis von zentraler Bedeutung, weil dieser nur selten Produkte über 100 € verkauft. Weitergehend können auf zwei Ebenen Implikationen für die Praxis getroffen werden. Zum einen auf Konsument:innenseite, zum anderen auf Seite der Einflussfaktoren im LEH. Alle Implikationen beziehen sich auf den Ausgangspunkt, dass die Abverkäufe bei der prozentualen Reduzierungsdarstellung höher sind und von verschiedenen Faktoren beeinflusst werden. Auf Konsument:innenseite führen höhere Reduzierungen zu einem höher wahrgenommenen Wert des Angebotes. Dies geht einher mit dem Trend, dass die relativen Abverkäufe steigen, je höher die Reduzierung ist. Demgegenüber hat die Reduzierungstiefe keinen Einfluss auf die wahrgenommene Qualität des Produktes der Konsument:innen. Selbst hohe Reduzierungen führen also nicht zu schlechteren Qualitätsbewertungen und damit auch nicht zu potenziell schlechteren Abverkäufen.
Auf Seite des LEH ist festzuhalten, dass höhere Reduzierungen zu besseren Abverkäufen führen. Ausserdem konnte festgestellt werden, dass selbst bei geringen Reduzierungen mit einer prozentualen Reduzierung eine Steigerung der Abverkäufe erzielt wurde. Es existieren also nicht – wie zuvor angenommen – gewisse Schwellenwerte, bei denen eine Reduzierung wirkt. Lebensmitteleinzelhändler sollten daher geringe Reduzierungstiefen nicht per se ausschliessen. Vielmehr sollte die optimale Reduzierungstiefe abgewogen werden, um Gewinne zu maximieren und Verluste zu vermeiden. Gleiches gilt für die Anzahl an Reduzierungen, weil mit jeder Reduzierung auch die Reduzierungstiefe ansteigt. Ausserdem konnte vor allem der Abverkauf von Non-Food-Produkten durch die prozentuale Darstellung gesteigert werden. Der Grossteil der Aktionsartikel setzt sich aus diesen zusammen, weswegen diese Erkenntnis von besonderer Relevanz ist.
Leonie Bodden
Gewinnerin Nachwuchsforscherinpreis 2024 des bvm/vmö/Swiss Insights
Die Autorin Leonie Bodden absolvierte ihren Master Kommunikationsmanagement und -analyse an der Uni Hohenheim. Aktuell ist sie als Produktmanagerin für die digitalen Produkte der Motor Presse Stuttgart GmbH & Co. KG tätig. Für ihre Masterarbeit «It’s all about the Price Tag: Ein empirischer Vergleich von prozentualen vs. Absoluten Preisveränderungen im LEH-Kontext» wurde sie mit dem Nachwuchsforscherinpreis 2024 der DACH-Verbände (bvm/vmö/Swiss Insights) ausgezeichnet.
Verändertes Konsumverhalten und Wettbewerbsdruck aus dem Onlinehandel zwingen stationäre Einzelhändler zur Entwicklung neuer Alleinstellungsmerkmale. Wie gelingt die Transformation und welche Risiken sind zu beachten?
Das Ende physischer Geschäfte wurde schon häufig eingeläutet, doch die Realität sieht anders aus. Ein Blick auf die Umsatzzahlen zeigt, dass der stationäre Einzelhandel noch immer etwa 75 % des weltweiten Einzelhandelsumsatzes ausmacht (Coppola 2023). Selbst grosse Online-Riesen wie Amazon und Alibaba haben die anhaltende Relevanz stationärer Geschäfte erkannt und investieren gezielt in deren Ausbau.
Dennoch haben sich die Erwartungen an den stationären Handel gewandelt. In einer Zeit, in der Kund:innen mit wenigen Klicks von überall aus einkaufen können, stellen sie auch höhere Anforderungen an physische Geschäfte. Immer häufiger wünschen sie sich ein einzigartiges Einkaufserlebnis. Um den neuen Ansprüchen gerecht zu werden, stehen viele Einzelhändler:innen vor der Herausforderung, das Werteversprechen ihrer physischen Geschäfte neu zu definieren
Fünf Vorteile physischer Geschäfte
Auch in der heutigen Zeit hat der stationäre Einzelhandel besondere Möglichkeiten, um Kund:innen in die physischen Geschäfte zu locken. In ihrer Multi-Methoden Studie «The future of physical stores: Creating reasons for customers to visit» identifizieren Els Breugelmans (KU Leuven), Lina Altenburg (KU Leuven), Felix Lehmkuhle (Universität Münster), Manfred Krafft (Universität Münster), Lien Lamey (KU Leuven) und Anne L. Roggeveen (Babson College) fünf zentrale Vorteile, die physische Geschäfte ihren Kund:innen bieten können:
Entdeckung: Viele Kund:innen möchten sich vor dem Kauf eines Produkts gut informieren – besonders bei teuren Artikeln oder unsicheren Käufen, z. B. frischen Lebensmitteln. Im stationären Geschäft haben sie die Möglichkeit, direkt mit den Produkten und den Mitarbeiter:innen in Kontakt zu treten. Während sie beim Onlinekauf oft nur Bilder und Produktbeschreibungen sehen, können sie im physischen Geschäft all ihre Sinne nutzen. Einzelhändler:innen können interaktive Bereiche einrichten oder Veranstaltungen anbieten, bei denen die Kund:innen Produkte erleben und testen können. Diese multisensorische Erfahrung stärkt nicht nur das Vertrauen in die Kaufentscheidung, sondern fördert auch eine emotionale Bindung zum Produkt und zur Marke.
Bequemlichkeit: Bequemlichkeit spielt eine entscheidende Rolle beim Einkaufserlebnis und umfasst die Erleichterung, Beschleunigung und Reduzierung des Aufwands. Physische Geschäfte können hier durch flexible Öffnungszeiten, zentrale Standorte, ausreichend Parkplätze und die Nähe zu anderen Geschäften punkten. Ein wesentlicher Vorteil gegenüber dem Onlinehandel ist die Möglichkeit, Produkte sofort mitzunehmen, ohne auf den Versand warten zu müssen. Darüber hinaus können Zusatzangebote wie Click-and-Collect, bei denen Kunden online bestellen und die Ware im Geschäft abholen, den Einkaufsvorgang erleichtern.
Personalisierung: Personalisierung zielt darauf ab, die Customer Journey individuell auf die Bedürfnisse der Kund:innen abzustimmen. In physischen Geschäften können Mitarbeiter:innen direkt mit den Kund:innen interagieren, um ihre Wünsche besser zu verstehen und das Angebot entsprechend anzupassen. Innovative Technologien wie intelligente Umkleidekabinen sowie AR- und VR-Anwendungen eröffnen zudem neue Möglichkeiten. Ein spannender Ansatz ist die kollaborative Personalisierung, bei der Mitarbeiter:innen und Kund:innen gemeinsam Produkte gestalten – wie beispielsweise bei Build-A-Bear. Zusätzlich bieten persönliche Einkaufsberater:innen wertvolle Unterstützung, beantworten Fragen und optimieren so das Einkaufserlebnis.
Gemeinschaft: Gerade in der Pandemie wurde deutlich, wie wichtig persönliche Interaktionen sind. Einzelhändler:innen, die ihre Geschäfte zu Orten der Begegnung gestalten, können eine starke Kundenbindung aufbauen. Veranstaltungen, Sportkurse, Co-Working-Bereiche und gastronomische Angebote fördern nicht nur den Austausch, sondern verwandeln den Besuch in ein echtes Erlebnis und laden zum Verweilen ein. Solche Initiativen helfen dabei, eine lebendige Community aufzubauen. Regelmässige Events im Geschäft binden die Kund:innen aktiv ein und vermitteln ein Gefühl der Zugehörigkeit. Ausserdem helfen sie, die Bedürfnisse der Kund:innen besser zu verstehen und sich kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Shoppertainment: Einzelhändler:innen können ihre Geschäfte kreativ gestalten, um den Kund:innen ein unterhaltsames Erlebnis zu bieten. Ein Sportladen kann beispielsweise einen kleinen Sport-Court einrichten, auf dem die Besucher:innen ihre Fähigkeiten ausprobieren. Veranstaltungen wie Ausstellungen lokaler Künstler:innen bieten weitere Anreize, im Geschäft vorbeizuschauen. Ein Ansatz, der insbesondere in der Modebranche Anklang findet, besteht in der Einrichtung eines «Green Screen Raums», in dem Kund:innen Fotos machen und ihre Erlebnisse auf Social Media teilen können. Wichtig ist, dass all diese Massnahmen letztlich darauf abzielen, den Verkauf von Produkten zu fördern und den Umsatz zu steigern.
Herausforderungen einer Transformation
Um sich den ändernden Kundenbedürfnissen anzupassen, gestalten viele Einzelhändler:innen ihre Geschäfte umfassend um. Dabei liegt die Vermutung nahe, dass eine Neugestaltung automatisch zu höheren Umsätzen führt. Doch aus der Forschung wissen wir, dass viele Menschen dazu neigen, am Vertrauten festzuhalten (Endowment-Effekt; Thaler 1980).
Bei der Transformation eines Geschäfts rücken meist bestimmte Produktkategorien in den Fokus, während andere in Sortimentsumfang und -komposition sowie ihrer Platzierung auf der Ladenfläche unverändert bleiben. Legt ein Geschäft beispielsweise einen Fokus auf Frische, bleiben verpackte Lebensmittel oft unverändert. Um den wirtschaftlichen Erfolg einer solchen Transformation zu bewerten, ist es allerdings wichtig, auch mögliche Umsatzeffekte auf die unveränderten Kategorien in den Blick zu nehmen.
Felix Lehmkuhle (Universität Münster), Els Breugelmans (KU Leuven), Marleen Hermans (Radboud Universität), Manfred Krafft (Universität Münster), Mirja Kroschke (Universität Münster) und Murali Mantrala (Kansas Universität) zeigen in ihrer Forschungsarbeit «What’s Happening to My Unchanged Categories – Differential Effects of a Store Transformation» (derzeit unter Begutachtung beim Journal of Retailing), dass auch unveränderte Kategorien von Umsatzeffekten betroffen sein können und wie diese mit den Eigenschaften der Kategorien zusammenhängen. Die Autor:innen analysieren in Zusammenarbeit mit einem grossen deutschen Hypermarkt, der sein Geschäftskonzept von preis- auf erlebnisorientiert umgestellt hat, die Umsatzeffekte bei Bestandskund:innen über einen Zeitraum von drei Jahren. Sie stellen fest, dass der Umsatz in einer durchschnittlichen unveränderten Kategorie (mit typischen Merkmalen) nach der Transformation sinkt. Obwohl die Autor:innen nicht davon ausgehen, dass dieser Effekt allgemeingültig ist, verdeutlicht das Ergebnis ihrer Arbeit, wie wichtig es ist, potenzielle Auswirkungen auf unveränderte Kategorien zu berücksichtigen.
Um mögliche Effekte besser abzuschätzen, können Einzelhandelsmanager:innen die Eigenschaften der unveränderten Kategorien heranziehen. Die Autor:innen beobachten einen besonders starken Umsatzrückgang bei Kategorien, die Kund:innen mit höherer Impulsivität oder finanziellem Risiko verbinden. Auf der anderen Seite können unveränderte Kategorien, die zum Gesamtfokus des neu gestalteten Geschäfts passen, auch weniger stark betroffen sein oder sogar profitieren. In der Fallstudie legt das umgestaltete Geschäft grossen Wert auf Frische. Entsprechend stellen die Autor:innen fest, dass unveränderte Kategorien, die typischerweise mit Frische assoziiert werden, einen geringeren Umsatzrückgang verzeichnen.
Die Transformation eines Geschäfts beeinflusst nicht nur das umgestaltete Geschäft, sondern auch die Attraktivität der umliegenden Geschäfte. Da umfangreiche Veränderungen viel Geld kosten und Zeit in Anspruch nehmen, gehen Einzelhändler:innen in der Regel schrittweise vor. Daher findet man transformierte Geschäfte nicht selten in der Nähe (noch) unveränderter Geschäfte derselben Kette. In einer weiteren Forschungsarbeit («What’s Happening to My Nearby Stores? The Own- and Cross-effect of a Radical Store Transformation on Existing Customers») untersuchen die Autor:innen der vorherigen Studie eben solche Konstellationen und fokussieren sich insbesondere auf das Wechselverhalten der Kund:innen zwischen den Geschäften. Sie zeigen, dass der Umsatz der Bestandskund:innen im transformierten Geschäft sinken kann, während die benachbarten, unveränderten Geschäfte Umsatzgewinne verzeichnen. Obwohl die Bestandskund:innen das transformierte Geschäft häufiger besuchen, geben sie dort weniger aus. Ihre Ausgaben in den unveränderten Geschäften steigen hingegen.
Allerdings reagieren nicht alle Kund:innen gleich. Kund:innen, die durch ihr Einkaufsverhalten vor der Transformation gezeigt haben, dass sie Merkmale des neuen Ladenformats schätzen (bspw. frische Produkte), begegnen der Neuerung positiver und sollten daher gezielt auf die neuen Angebote aufmerksam gemacht werden. Bestandskund:innen, die in der Vergangenheit eine besonders hohe Verbundenheit zum alten Geschäft gezeigt haben, reagieren auf die Veränderung kritischer. Einzelhandelsmanager:innen sollten diesen Kund:innen helfen, sich in der neuen Umgebung zurechtzufinden oder sie an die unveränderten Geschäfte in der nahen Umgebung erinnern.
Nach wie vor bieten physische Geschäfte Vorteile, die stationäre Einzelhändler:innen nutzen können, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Allerdings führt nicht jede Neuerung automatisch zum Erfolg. Bei einer umfangreichen Transformation sollten auch mögliche Umsatzeffekte auf die unveränderten Kategorien in Betracht gezogen werden. Ausserdem ist es wichtig, mögliche negative Reaktionen der Bestandskund:innen zu berücksichtigen. Interessanterweise können gerade die naheliegenden, (noch) nicht umgewandelten Geschäfte helfen, kritischen Bestandskund:innen eine Alternative zu bieten und sie so von der Abwanderung zur Konkurrenz abzuhalten.
Dr. Felix Lehmkuhle
Gewinner Nachwuchsforscherpreis 2024 des bvm/vmö/Swiss Insights
Der Autor Dr. Felix Lehmkuhle studierte BWL in Münster und absolvierte einen Doppel-Master in Marketing & Finance sowie Marketing Intelligence. Danach promovierte er im Quantitativen Marketing. Er ist Experte für datengetriebene Entscheidungen und war als Dozent für Marketing Analytics tätig. Für seine Dissertation «Is New Always Better? The Future of Physical Stores» wurde er mit dem Nachwuchsforscherpreis 2024 der DACH-Verbände (bvm/vmö/Swiss Insights) ausgezeichnet.
Im Kontext der Markt- und Sozialforschung ist die generative KI besonders wertvoll aufgrund ihrer Fähigkeit, grosse unstrukturierte Datenmengen zu verarbeiten und nuancierte Analysen und Berichte zu erstellen.
Durch die Verarbeitung grosser Mengen unstrukturierter qualitativer Daten kann generative KI differenzierte Analysen und Berichte erstellen und so Zeit und Kosten erheblich reduzieren. Die Technologie eignet sich hervorragend für Aufgaben wie die Analyse und Zusammenfassung von qualitativen Interviews und Gruppendiskussionen. Generative KI hat jedoch Schwierigkeiten, strategische Schlussfolgerungen auf den Punkt zu bringen; eine Aufgabe, die am besten weiterhin erfahrenen Forschenden überlassen wird. Mit dem «ChatYourData»-Ansatz lassen sich qualitative Daten unmittelbar in Produktinnovationen oder Kommunikationskonzepte umsetzen. Die generative KI verspricht, qualitative Erkenntnisse wettbewerbsfähiger und zugänglicher zu machen, und könnte so zum Game-Changer für die Markt- und Sozialforschung werden.
Die Rolle der generativen KI in der der qualitativen Markt- und Sozialforschung
Mit der Veröffentlichung von ChatGPT im Herbst 2022 sind die Möglichkeiten der generativen KI einer breiten Öffentlichkeit bewusst geworden. Insbesondere die Leistungen der hochentwickelten Sprachmodelle (Large Language Models) beim Schreiben und Redigieren von Texten sind auf den ersten Blick erstaunlich. In der qualitativen Markt- und Sozialforschung steht die Sprache im Zentrum – in Form von Tiefeninterviews, Gruppendiskussionen oder anderen digitalen Formen des Dialogs. Die aktuelle Generation der generativen KI ist deshalb prädestiniert, qualitative Forschung voranzubringen. Entsprechende Methoden nutzen auch projektive Verfahren wie Visualisierungen, um ein vertieftes Verständnis von Emotionen und Einstellungen zu gewinnen. Die Übersetzung von Sprache in Bilder und umgekehrt ist die Stärke von visuellen generativen Modellen wie Dalle, Midjourney und anderen.
Die qualitative Markt- und Sozialforschung ist eine unverzichtbare Ergänzung zur besser bekannten und viel häufiger eingesetzten strukturierten («quantitativen») Umfrageforschung. Die qualitative Forschung ist explorativ und ermöglicht es den Teilnehmenden, ihre Gedanken und Gefühle in ihren eigenen Worten auszudrücken. Dies kann zu Erkenntnissen führen, die in einer strukturierten Umfrage vielleicht nicht erwartet oder erfasst worden wären. Qualitative Erkenntnisse liefern Erklärungen zum «Wie?» und «Weshalb?» hinter den quantitativen Zahlen.
Bisher hatte die qualitative Markt- und Sozialforschung den Ruf, zeitaufwändig und teuer zu sein. Durch die Nutzung von generativer KI kann sie nun effizienter, schneller und besser werden. Dies wird zu einem Revival der qualitativen Methoden führen.
Dieser Artikel untersucht die potenziellen Verbesserungen und Herausforderungen von generativer KI in der qualitativen Verbraucherforschung und konzentriert sich dabei auf die konkreten Anwendungen.
Was ist generative KI?
Generative KI bezieht sich auf eine Teilmenge von Technologien der künstlichen Intelligenz, die neue Inhalte generieren können, einschliesslich Text, Bild und Audio. Generative KI gibt es schon lange. Bereits im letzten Jahrhundert wurden Versuche gestartet mit Computern, die eine menschenähnliche Fähigkeit zur Konversation beherrschten. Der aktuelle Durchbruch ist auf Fortschritte in der Hardware, in den theoretischen Konzepten und in den eingesetzten Algorithmen zurückzuführen.
Neue theoretische Konzepte Die modernen generativen KI-Modelle fokussieren nicht auf abstrakte grammatikalische und semantische Regeln, sondern darauf, wie Sprache verwendet wird. Zentral ist die Annahme, dass die Bedeutung eines Wortes im Kontext seiner Verwendung liegt. Umgekehrt folgt daraus, dass die Wahrscheinlichkeit eines Wortes aufgrund des Kontextes vorausgesagt werden kann. Dies machen sich die Entwickler der Large Language Models wie OpenAI, Mistral oder Gemini zunutze: Sie trainieren die Sprachmodelle darauf, immer das nächstfolgende Wort eines Satzes oder eines Textes vorherzusagen. Der Vorteil dieses Ansatzes liegt darin, dass für das Training grosse Mengen bestehender Texte verwendet werden können, die nicht manuell vorbereitet werden müssen (kein kostenintensives Labeling bzw. keine Annotation). Der vergleichsweise einfache Ansatz, aus dem Kontext den jeweils wahrscheinlichsten Output vorherzusagen, funktioniert überraschend gut – auch für inhaltlich anspruchsvolle und komplexe Aufgabenstellungen.
Neue Algorithmen Für das Training werden bewährte Algorithmen in Form neuronaler Netzwerke mit einer hohen Anzahl an Schichten eingesetzt – deshalb auch «Deep Learning» genannt. Der Durchbruch für die generative KI basiert auf einem spezifischen, relativ neuen Typ neuronaler Netzwerke: Transformer Modelle, die in der Lage sind, vergleichsweise lange Textsequenzen parallel zu verarbeiten und gleichzeitig die besonders relevanten Textstellen höher zu gewichten.
Die sogenannten Foundation Models, die einen Satz oder einen anderen Kontext ergänzen können, bilden allerdings nur den ersten Schritt zur Entwicklung eines KI-Sprachmodells. Ein funktionsfähiges Modell, das Fragen beantworten und Anweisungen ausführen kann, braucht weitere Schritte:
Foundation Model: Wir können Text generieren, indem wir ein Wort nach dem anderen vorhersagen.
In einem zweiten Schritt, dem Instruction Finetuning, wird das Modell darauf trainiert, spezifische Anweisungen zu befolgen, also zum Beispiel eine Zusammenfassung zu erstellen, einen Blog-Artikel zu schreiben oder eine Wissensfrage zu beantworten.
Der dritte Schritt, Reinforcement Learning from Human Input, optimiert die Qualität des Outputs so, dass die Erwartungen der Zielgruppen möglichst gut erfüllt werden. Dazu bewerten Hunderte von Testpersonen die Resultate manuell, was dann wiederum ins Training des Modells einfliesst.
Neue Hardware Die meisten technologischen Revolutionen der letzten Jahrzehnte basieren wesentlich auf sprunghaften Entwicklungen der Hardware. Bei der generativen KI sind dies neue Prozessoren, die ideal auf die Deep Learning Algorithmen abgestimmt sind, obwohl sie ursprünglich für Bildverarbeitung entwickelt wurden.
Implikationen für die Anwendung in der qualitativen Markt- und Sozialforschung
Das zugrundeliegende «Foundation Modell» einer modernen KI-Lösung basiert auf der beobachteten Verwendung von Sprache, die einerseits sprachliche Fähigkeiten wie Grammatik und Wortschatz, anderseits aber auch das Wissen über die Welt spiegelt. Die sprachlichen Fähigkeiten und das Fachwissen können in diesen Modellen also nicht klar getrennt werden. Das ist ein wichtiger Punkt, wenn wir generative KI, konkret die bekannten Large Language Models, für die qualitative Marktforschung einsetzen wollen.
Nehmen wir an, wir analysieren zum Beispiel Transkripte von Tiefeninterviews zum Thema «Schokolade» mithilfe von generativer KI. Das implizite «Weltwissen» des KI-Modells aufgrund der Trainingsdaten ist dabei immer mit im Spiel. Viele der Trainings-Texte wurden im Internet gesammelt oder stammen und aus digitalisierten Bibliotheken. Im Fall von Schokolade sind zum Beispiel nicht nur der Genuss, sondern auch Aspekte der Gesundheit, der Nachhaltigkeit und des Masshaltens relativ stark im Vorwissen der Modelle verankert.
Das ist an sich kein Nachteil der generativen KI. Tatsächlich ist Sprachverständnis ohne ein Verständnis der Wirklichkeit nicht möglich. Eine qualitative Marktforscherin wird Texte immer auch vor dem Hintergrund ihres Vorwissens analysieren. Entscheidend ist, dies bewusst zu reflektieren. Diese Reflexion fehlt den Sprachmodellen. Um eine angemessene, möglichst unverzerrte Analyse von qualitativen Konsumentenaussagen zu gewährleisten, braucht es also sorgfältig ausgearbeitete Kontrollmechanismen. Unter diesen Voraussetzungen kann KI sogar zu einer besseren Qualität qualitativer Insights beitragen: Forschende mit weniger Erfahrung haben manchmal einen sehr persönlichen Zugang zu den untersuchten Themen und bringen so unbewusst einen starken Bias ein. Bei Large Language Modellen fällt diese persönlich-subjektive Komponente der Analyse weg.
Die Qualität der Zusammenfassung von Transkripten beispielsweise hängt stark davon ab, wie gut das jeweilige Modell genau für diese Aufgabe trainiert wurde (Instruction Finetuning – siehe oben). Bei GPT, Gemini, Mistral, Claude und Llama funktionieren Zusammenfassungen sehr gut. Diese Disziplin beherrschen aber auch viele kleinere, günstigere Modelle.
Etwas anspruchsvoller wird es, wenn bestimmte relevante Themen aus einer Reihe von langen Transkripten extrahiert werden sollen, zum Beispiel die Motive oder die Barrieren des Schokoladekonsums aus mehreren Tiefeninterviews. Die führenden Modelle (GPT-4, Mistral Large oder Anthropic Claude Opus) machen dies ziemlich gut, ohne fremde Informationen aus ihrem impliziten «Wissen» in die Ergebnisse zu schmuggeln.
Auf welche Tasks ein Large Language Modell spezifisch trainiert wurde, ist allerdings oft nicht transparent. Hier hilft nur «Trial and Error», um die besten Lösungen zu identifizieren.
Qualitätskriterien Formale Qualitätskriterien, die für die Überprüfung und Evaluation von Large Language Models entwickelt wurden, sind nur beschränkt hilfreich.
Für die Bewertung der Qualität einer Text-Zusammenfassung gibt es die ROUGE-Metrik (Recall-Oriented Understudy for Gisting Evaluation). Der Score vergleicht eine durch Experten erstellte Referenz-Zusammenfassung mit dem Output eines KI-Modells. Für qualitative Ad-hoc-Studien liegt eine solche Referenz-Zusammenfassung in der Regel nicht vor. Dazu kommt, dass der ROUGE-Score primär die Wörter in den Zusammenfassungen vergleicht und auszählt, was etwas zu kurz greift.
In der Literatur werden oft standardisierte Performance-Messungen für konkurrierende Large Language Models publiziert. Diese Indices basieren auf Wissensfragen, z. B. Prüfungen für amerikanische College-Studierende, «Reasoning» oder dem Schreiben von korrekten Programmier-Codes. Diese Kriterien sagen wenig über die Leistungsfähigkeit im Rahmen von qualitativer Markt- oder Sozialforschung aus.
Beim Einsatz von generativer KI in der qualitativen Forschung muss die Qualität des Outputs vorderhand von der Studienleitung sorgfältig geprüft werden. Wünschenswert wäre die Entwicklung von standardisierten automatisierten Qualitäts-Scores zur Unterstützung. Ein Beispiel dafür wäre ein Vergleich der Topics, die in den Input-Daten aufscheinen, mit jenen in Zusammenfassungen und Interpretationen.
Use-Cases für Marketing und Produktentwicklung
Die möglichen Anwendungsfälle der generativen KI in der qualitativen Markt- und Sozialforschung sind sehr breit. Vieles steckt noch in den Kinderschuhen. Es braucht Zeit und finanzielle Ressourcen, um spezifische Tools zu entwickeln und insbesondere die Qualitätskontrollen zu institutionalisieren. Als Illustration dienen drei konkrete Use-Cases, die der Autor erfolgreich umgesetzt hat. Beim ersten Anwendungsfall geht es um die naheliegende Umsetzung von Effizienz und Zeitgewinn. Der zwei weiteren Use-Cases schauen eher in die Zukunft und sind noch experimentell.
Use Case 1: Generative AI als Forschungsassistentin für mehr Effizienz und Qualität Im Kontext der Markt- und Sozialforschung ist die generative KI besonders wertvoll aufgrund ihrer Fähigkeit, grosse unstrukturierte Datenmengen zu verarbeiten und nuancierte Analysen und Berichte zu erstellen.
Ein erster Anwendungsfall aus der Praxis illustriert das Vorgehen. Die strategische Fragestellung bestand darin, Erwartungen und Wünsche der Privatkundinnen und -kunden bei der Wahl einer Versicherung zu verstehen.
Als Datengrundlage standen 20 frei geführte Interviews von je ca. 40 Minuten Dauer in Schweizerdeutsch und Französisch zur Verfügung. Die Interviews wurden automatisch transkribiert und durch freie Mitarbeitende manuell nachbearbeitet.
Ziel des Projektes war, die Qualität einer automatisierten Analyse mittels generativer KI einer vorläufigen Prüfung zu unterziehen. Die ursprüngliche Analyse wurde durch erfahrene qualitative Marktforscherinnen mit «manuell» realisiert. Erst zu einem späteren Zeitpunkt wurde die Analyse mithilfe von KI (im Wesentlichen mit dem GPT4-Modell von OpenAI) wiederholt.
Es stellte sich heraus, dass die Themenextraktion (z. B. Bedürfnisse, erwartete Angebots- merkmale, Wechselgründe) sehr gut funktioniert. Im Vergleich zum manuell erstellten Bericht wurden praktisch 100 % der Themen erkannt und in den Zusammenfassungen erwähnt.
Hochentwickelte Modelle wie ChatGPT4 schaffen auch eine gute, nahtlose Integration der Originalsprachen z. B. in einen englischen Bericht. Dies gilt allerdings nur für weit verbreitete Sprachen – in Europa z. B. Deutsch, Französisch, Italienisch und Spanisch.
Bei der qualitativen Analyse geht es nicht darum, Kategorien oder Themen auszuzählen Dennoch macht es Sinn, typische Argumentationsmuster von vereinzelten Argumenten zu differenzieren. Kann die generative KI bei der Analyse von Themen in einem umfangreichen Text-Datensatz relevante von weniger relevanten Themen unterscheiden? Im Test mit 20 Interviews zum Thema «Versicherung» hat das gut funktioniert.
Die Analyse-Ergebnisse in Reports des Qualitativen Consumer Research werden oft mit wörtlichen Zitaten illustriert. Mit einem entsprechenden Prompt liefert das KI-Modell passende Zitate, die in ca. 80 % der Fälle nicht modifiziert sind. Teilweise werden die Zitate leicht umformuliert. Auch diese zeitaufwändige Aufgabe erledigt die KI also mit hoher Zuverlässigkeit.
KI kann Empfehlungen formulieren. Das Projekt hat allerdings gezeigt, dass die KI kaum in der Lage ist, die entscheidenden Schlussfolgerungen und Insights unter Berücksichtigung der strategischen Fragestellung, der Marktsituation und des Business Modells der Auftraggeberin zu formulieren. Diese Aufgabe sollte unbedingt eine Senior Marktforscherin oder ein erfahrener Insight-Spezialist übernehmen.
Dies ist ganz klar kein Argument gegen den Einsatz von KI in der qualitativen Marktforschung. Die Ergebnisse verschiedener Projekte zeigen, dass – im Vergleich zum bisherigen, vollständig manuellen Vorgehen – 40 bis 60 % des gesamten Zeitaufwandes eingespart wird. Damit macht KI qualitative Consumer Insights für Auftraggeber sowohl in Bezug auf die Kosten wie auch auf eine agile Umsetzung deutlich attraktiver und somit wettbewerbsfähiger.
Use Case 2: Jenseits von statischen Insight-Reports Consumer Insight Reports verstauben oft im Archiv der Auftraggebenden. Mit generativer KI ergeben sich vollkommen neue, bisher nicht mögliche Wege, um End-Usern einen Mehrwert zu liefern.
Im konkreten Anwendungsfall wurden acht Tiefeninterviews zum Thema «Schokoladekonsum» durchgeführt. Die KI wurde spezifisch darauf trainiert, innovative Produktkonzepte zu entwickeln, die anschliessend in einer strukturierten quantitativen Online-Erhebung validiert werden können.
Das Konzept wurde also durch das KI-Tool unmittelbar auf Basis der ungefilterten Konsumentenbedürfnisse und unter Berücksichtigung der Sprache der Konsumentinnen und Konsumenten erstellt. Im Test hat die KI plausible, klar formulierte Konzepte entwickelt, die auf relevanten Konsumentenerwartungen aufbauen. Inwieweit diese Ideen bei den Zielgruppen besser oder mindestens gleich gut abschneiden wie von Expertinnen formulierte Konzepte, ist in einem weiteren Schritt zu prüfen.
Durch diesen «Prompt Your Data»-Ansatz gewinnen qualitative Konsumentendaten enorm an Wert. Die Daten können jederzeit auf aktuelle Hypothesen und Innovationsideen abgefragt werden. Die Daten stehen live als «Voice of Consumer» zur Verfügung, ohne Informationsverlust durch Zusammenfassung in einem statischen Bericht.
Use-Case 3: Neutrales Nachfassen bei offenen Fragen in Online-Interviews Offene Fragen in strukturierten Interviews liefern vertiefte Erkenntnisse zum «Warum?» hinter dem «Was?» der quantitativen Auswertungen. Mit einer gezielten Nachfrage kann eine Interviewerin differenziertere und detailliertere Antworten erhalten. Bei Online-Interviews war ein solches neutrales, motivierendes Nachfragen bisher kaum möglich. Generative KI hat das Potenzial, diese Aufgabe abwechslungsreich und ohne Suggestivfragen zu erfüllen. Als Input benötigt ein entsprechend trainiertes Modell die ursprüngliche Frage plus die Antworten der Befragten. Die folgende Darstellung illustriert, wie ein solcher Dialog abläuft.
Ethik und Datenschutz
Viele Fragen der Ethik, des Datenschutzes und des Urheberrechts sind im Kontext der generativen KI noch nicht gelöst. Auch sind Urteile im Rahmen der neuen Gesetzgebung – insbesondere auch die Implikationen des EU AI Act – noch ausstehend. Markt- und Sozialforscherinnen tun deshalb gut daran, die bisherigen Grundsätze auch bei der Anwendung der KI zu befolgen, insbesondere die Anonymisierung der Daten zum frühest möglichen Zeitpunkt. Automatisierte Tools, die PII wie Namen oder Orte ausfiltern können, bieten dabei Unterstützung. Selbstverständlich muss die Weitergabe von individualisierten Erkenntnissen für Marketing-Zwecke weiterhin ausgeschlossen bleiben. Eine Herausforderung ist die Tatsache, dass die leistungsfähigsten KI-Modelle von OpenAI, Google und Anthropic auf Servern in den USA laufen. Dies ist in der Schweiz und in der EU trotz der Verfügbarkeit eines DPA (Data Processing Agreements) z. B. von OpenAI ein Problem. Als vorläufige Lösung können Modelle genutzt werden, die auf Schweizer oder EU-Servern laufen.
Der Autor Dr. Stefan Oglesby ist Inhaber der data IQ AG und Gründer von insight-lab.ai, einer Plattform für die Analyse und interaktive Nutzung qualitativer Consumer Insights. Er hat langjährige Erfahrung in der qualitativen und quantitativen Marktforschung auf Auftraggeber- und Institutsseite.
Umweltbezogene, gesundheitliche und ethische Überlegungen sind
bei Konsument:innen im Trend. Die ungenügende sensorische Qualität
ist jedoch oft eine der Marktbarrieren für die verstärkte Verbreitung tierischer Alternativen – wie auch eine Studie dazu bestätigt.
Der Appetit auf pflanzliche Proteine wächst weltweit. Konsument:innen sind sich zunehmend der negativen Umweltfolgen durch die Produktion von tierischen Lebensmitteln, der Tierwohlproblematik und der möglichen gesundheitlichen Risiken eines übermässigen Fleisch- und Milchproduktekonsums bewusst. Als Reaktion auf diesen steigenden Trend zur Reduktion tierischer Produkte bemühen sich Lebensmittelhersteller, Alternativen zu Fleisch- und Milchprodukten zu entwickeln; Alternativen, die nicht nur eine ausreichende Versorgung mit Nahrungsmitteln besser gewährleisten, sondern auch ein mit tierischen Produkten vergleichbares sensorisches Erlebnis bieten.
Konsument:innen, insb. Flexitarier:innen, welche den Konsum von tierischen Produkten bewusst reduzieren, erwarten bei pflanzlichen Proteinalternativen in Bezug auf Aussehen, Aroma, Geschmack und Textur ein ähnliches sensorisches Erlebnis wie bei den tierischen Analogien. Dies stellt die Produktentwickler:innen vor komplexe Aufgaben: «Wie kann man den rahmigen Geschmack von Milch nachahmen?» oder «Wie lässt sich die fleischige Textur eines Burgers mit Pflanzenproteinen reproduzieren?». Ähnliche Herausforderungen stellen sich bei Käse-Alternativen: «Wie kann man auf pflanzlicher Basis die charakteristische Konsistenz und das unverwechselbare Aroma von Käse nachbilden?». Marktforschungsinstitute spielen eine entscheidende Rolle, wenn es darum geht, die Erwartungen der Konsument:innen zu identifizieren und den Herstellern die notwendigen Einblicke zu liefern. Durch sensorische Tests und umfassende Verbraucherbefragungen können wertvolle Daten gewonnen werden, welche die Grundlage für die Entwicklung und Optimierung entsprechender veganer Produkte bilden.
Konsumententest von pflanzenbasierten Käse-Alternativen
Pflanzliche Fleischersatzprodukte konnten in den letzten Jahren im schweizerischen Lebensmittelhandel eine beachtliche Regalfläche erobern – auch mit neuen, in der Schweiz gegründeten Marken. Dagegen gelten pflanzliche Käse-Alternativen noch immer als Nischenprodukte. Da die Schweiz ein «Käse-Land» ist, hat die IG-Sensorik Schweiz dieses Thema im Jahr 2023 im Rahmen eines Forschungsprojektes etwas genauer unter die Lupe genommen. Als Mitglied der IG-Sensorik Schweiz war das Marktforschungsinstitut SensoPLUS Projektpartner bei dieser Studie, die als Zusammenarbeit von sechs schweizerischen, in der Lebensmittelsensorik tätigen Institutionen durchgeführt wurde*.
Ziel des Projektes war, die sensorische Konsumentenwahrnehmung von pflanzenbasierten Käse-Alternativen zu evaluieren und dabei Konsumenten-Insights über den bestehenden Markt dieser Produkt-Nische zu erhalten. Sechs im Handel erhältliche Käse-Alternativen wurden beurteilt, davon zwei «Typ Weichkäse», zwei «Typ Halbhartkäse am Stück» und zwei «Typ Halbhartkäse in Scheiben».
Die Konsumentenbefragung wurde mittels eines Central Location Tests bei 245 Flexitarier:innen durchgeführt. Gesamteindruck und Aussehen wurden anhand der in der Lebensmittelbranche üblichen hedonischen 9-Punkte-Skala bewertet. Wesentliche Produkteigenschaften betreffend Geschmack/Aroma und Konsistenz wurden mit einer JAR-Skala (JAR = Just about right) beurteilt. Für weitere produktbeschreibende Informationen wurde die bei sensorischen Konsumententests bewährte CATA-Methode (CATA = Check-all-that-apply) verwendet. Dabei konnten aus 39 produktspezifischen Merkmalen zu Aussehen, Konsistenz und Geschmack/Aroma die für das jeweilige Produkt zutreffenden angeklickt werden.
Für die Datenerfassung des Konsumententestes wurde die vom SensoPLUS-Software-Team entwickelte Sensorik-Software SensoTASTE verwendet.
Grosses Potenzial für Optimierung
Die Studie der IG-Sensorik Schweiz zeigte, dass die sensorischen Eigenschaften von pflanzenbasierten Käse-Alternativen den Konsumentenerwartungen noch nicht ausreichend entsprachen. Ein einziges Produkt wies für den Gesamteindruck auf der hedonischen 9er-Skala einen Mittelwert auf, welcher auf der positiven Seite lag (siehe Abbildung 1). Mit einem Wert von 5.8 war diese Akzeptanz jedoch auch nicht wirklich überzeugend. Die Datenanalyse der JAR-Bewertungen und der CATA-Methode identifizierten Einflussfaktoren für negative Auswirkungen auf den Gesamteindruck. Diese lagen insbesondere im Bereich der Konsistenz, zum Beispiel Eigenschaften wie fest, gummig, elastisch oder mehlig, aber auch in den Bereichen Aussehen und Aroma.
Die eher tiefe hedonische Beliebtheit beeinflusste auch die Kaufabsicht. Beim am besten bewerteten Produkt wurde eine Kaufwahrscheinlichkeit von 52 % ermittelt. Die weiteren Produkte würden mit einer mittleren Wahrscheinlichkeit von 17 % bis zu 36 % gekauft werden.
Die Studienteilnehmenden beurteilten pflanzliche Alternativen im Vergleich zu tierischer Milch und Milcherzeugnissen positiver in Bezug auf Trend, Tierwohl, Klimafreundlichkeit und Gesundheitsaspekte (Abbildung 2). Die pflanzenbasierten Alternativen wurden jedoch als weniger schmackhaft wahrgenommen als das vergleichbare tierische Produkt, dies insbesondere von jenen Flexitarier:innen, welche regelmässig Fleisch konsumieren Nachhaltigkeits- und Tierwohlaspekte allein reichen also nicht aus, um Konsument:innen zu einem wiederkehrenden Kauf zu bewegen.
Gesamteindruck und Aussehen von Käse-Alternativen mittels hedonischer 9er-Skala
Abbildung 1: Gesamteindruck (satter Farbton) und Aussehen (blasser Farbton) mit Mittelwert, Standardabweichung und Signifikanz (unterschiedliche Buchstaben, p=0.05) von ausgewählten Käse-Alternativen (n=245); Poster Eurosense, 2024, IG Sensorik Schweiz
Um pflanzliche Ersatzprodukte dauerhaft in die Ernährung zu integrieren, muss auch das Geschmackserlebnis die Erwartungen erfüllen. Ziel der Lebensmittelbranche sollte es daher sein, das sensorische Profil von pflanzenbasierten Proteinalternativen weiter zu optimieren. Die Marktforschungsinstitute können mit gezielten Analysen und Tests dazu beitragen, die Lücken zwischen Konsumentenerwartungen und den tatsächlichen Produkteigenschaften zu schliessen. In diesem Sinne hat die IG-Sensorik Schweiz nun eine Folgeprojekt zu Fleischalternativen gestartet.
Abbildung 2: Vergleich tierischer Milch und Milcherzeugnisse zu pflanzlichen Alternativen; Präsentation DACH 3-Länder-Tagung Sensorik, 2023, IG Sensorik Schweiz
*Projektzusammenarbeit Käse-Alternativen, IG Sensorik Schweiz: Hochschulen (ETHZ, ZHAW, BFH), Forschungsinstitution (Agroscope) und Marktforschungsinstitute (SAM und SensoPLUS). Für detaillierte Projekt-Information, auch zu der neben der Konsumentenbefragung durchgeführten sensorischen Produktprofilierung, der Nährwertanalyse und zum Life Cycle Assessment, dürfen Sie gerne Kontakt aufnehmen.
Die Autorin Susanne Aegler leitet das Marketing und die Sensorik bei SensoPLUS. Sie ist Lebensmittel- Ingenieurin ETH Zürich und verfügt über einen MSc in Human Nutrition, King’s College, London.
Onlineumfragen werfen Fragen zur Datenqualität auf, etwa durch geringes Involvement der Teilnehmenden. Wir diskutieren Massnahmen, welche die Aufmerksamkeit identifizieren, fördern und die Datenqualität verbessern.
Mit webbasierten Befragungen lassen sich neue Zielgruppen realisieren. Neben der günstigen Zugriffsmöglichkeit, geografischer Unabhängigkeit und logistischen Vorteilen werden aber auch unseriöse Teilnahmen begünstigt. Der Anteil an verschmutzten Daten nimmt zu und die Aussagekraft der Ergebnisse wird vermindert. Weiter kann eine Website im Gegensatz zu einem handfesten PapierFragebogen auch das «Gefühl einer geringeren Verantwortlichkeit vermitteln» (Johnson, 2005, S. 108). Dies stellt eine ernsthafte Bedrohung für die Validität der Online-Forschung dar (Oppenheimer et al., 2009; Reips, 2002, 2009; Meier & Gwerder, 2022).
Im Gegenzug liefern Onlineumfragen meist auch Metadaten wie Ausfüllzeiten insgesamt, Ausfüllzeiten vom Laden der einzelnen Frage bis zu deren Beantwortung, Browserkennung, Betriebssystem, Bildschirmgrösse, IP-Adresse, Mausbewegungen und weitere Informationen, welche nach der Feldphase, wenn alle gesammelten Daten vorliegen, für ein Screening unaufmerksamer Antworten herangezogen werden können (Barge & Gehlbach, 2012; Bauermeister et al., 2012; Meade & Craig, 2012; Meier & Gwerder, 2022).
Mit unserem Artikel möchten wir einen Über-blick über verschiedene Techniken zur Messung der Aufmerksamkeit in Onlineumfragen ermöglichen – Techniken, die durch akademische Erkenntnisse bestätigt oder überprüft wurden und/oder sich in der Praxis bewährt haben, um die Anzahl «schlechter Antworten» zu begrenzen.
Aber was sind «schlechte Antworten»?
Generell werden als «schlecht» jene Antworten angesehen, die nicht die eigentliche Meinung oder das Wissen der Umfrageteilnehmenden wiedergeben, sondern irgendetwas anderes im Sinne eines Messfehlers. Die Gründe, weshalb Teilnehmende «schlechte» Antworten abgeben, sind vielfältig: Sie verweigern das korrekte Ausfüllen und geben stattdessen Fake-Antworten ab, sie sind schlichtweg abgelenkt, wissen die Antworten nicht oder nehmen sich nicht die nötige Zeit, ihre Antworten sorgfältig abzufüllen oder in die Antwortformate einzupassen. Dabei gibt es eine Auslegeordnung, was solche «schlechten» Daten angeht:
Als sogenannte «sinnlose Antworten» oder auch «content responsive faking» (Meade & Craig, 2012; Burns & Christiansen, 2011) werden in der Regel jene Antworten verstanden, bei denen Teilnehmende die Frage an sich aufnehmen und verstehen, aber bewusst keine gültige Antwort geben wollen («intended faking»). Dazu zählen betrügerisches Ausfüllen, z. B. in psychologischen Testverfahren wie dem MMPI2 (Rogers, 2003) oder in Job Assessments (Delgado, 2011) – aber auch bewusstes oder unbewusstes item-bezogenes, sozial erwünschtes Antwortverhalten (Paulhus, 1984).
Demgegenüber stehen «content nonresponsivity» Antworten, die in keinem Zusammenhang zum Inhalt der Fragen stehen (Nichols et al., 1989; Desimone et al., 2018). Sie werden auch als «random response» (Beach, 1989; Berry et al, 1992), «careless responding» (Curran, Kotrba, & Denison, 2010) oder «protocol invalidity» (Johnson, 2005) bezeichnet. Darunter fallen auch die Subkategorien «response sets» (Jandura, Peter, & Küchenhoff, 2012) und «response styles» (Van Vaerenbergh & Thomas, 2012) – alles formale Verschmutzungen von Daten (Meier & Gwerder, 2022), die mehr oder weniger unabhängig von der Fragestellung und nicht zentraler Gegenstand dieses Artikels sind.
Eine Zwischenkategorie bilden Teilnehmende, die an sich bereit wären, eine gültige Antwort abzugeben, dies aber nicht vollumfänglich tun. Beim Satisficing-Verhalten lesen Befragte die Fragestellung lediglich oberflächlich und geben jene Antwort ab, die ihnen zuerst in den Sinn kommt oder ihnen plausibel erscheint (Krosnick, 1991, 1999; Krosnick, Nayaran, & Smith, 1996;). «Pseudoopinions» (Bishop, Oldendick, Tuchfarber, & Bennett, 1980) und «nonattitudes» (Franzén, 2011; Schuman & Presser, 1980) sind Antworten von Befragten, die nicht über das nötige Wissen verfügen, um eine passende Antwort auszuwählen, die Frage falsch oder gar nicht verstehen oder die Fragen und Antworten nicht oder nicht akkurat genug lesen können. Gerade bei Fragebögen für Kinder ist solches «unintentional random responding» häufig. Auch nicht-item-bezogenes, mehr persönlichkeitsbedingtes, sozial erwünschtes Antwortverhalten fällt in diese Zwischenkategorie. Erwähnt sei auch das Under- and Overreporting als Abweichung hin zu mehr oder weniger wahren Antworten durch zu positiv oder zu negativ konnotierte Fragen.
Umfrageforschende stellen sich dieser Herausforderung verminderter Aufmerksamkeit schon, bevor Daten erhoben werden. Dabei gibt es zwei Grundstrategien: Sie integrieren diskret eingewobene Aufmerksamkeitstests in die Fragebögen, um unaufmerksame Teilnehmende zu entlarven und zugunsten der Datenqualität aus der Analyse auszuschliessen, oder sie integrieren explizite, gut sichtbare Aufmerksamkeitsprompts, um Teilnehmende ganz offen darum zu bitten, aufmerksam zu antworten. Zur Erinnerung: Aus Sicht des traditionellen kognitiven Modells der Umfragebeantwortung (CMSR, Cognitive Model of Survey Response) von Tourangeau, Rips und Rasinski (2000) durchlaufen Antwortende vier Schritte: erstens das Verständnis der Frage, zweitens das Abrufen relevanter Informationen aus dem Gedächtnis, drittens das Bilden eines Urteils aufgrund der abgerufenen Informationen und viertens das Auswählen einer passenden Antwort resp. das Einpassen oder Editieren der Antwort in das vorgegebene Antwortformat. Das nur oberflächliche oder unvollständige Durchlaufen dieser Schritte nennt Krosnick (1991; 1999) «non-optimal response behavior». Diese fehlende Aufmerksamkeit beeinflusst den kognitiven Beantwortungsablauf auf mindestens vier Arten:
Teilnehmende verstehen die Frage nicht richtig, weil sie diese nicht oder nicht seriös gelesen haben. Dadurch werden nicht die richtigen Informationen abgerufen.
Es werden nicht alle Informationen abgerufen, was die Urteilsbildung verzerrt.
Ein Urteil wird heuristisch gebildet und weist eine mangelhafte Reliabilität auf.
Teilnehmende können die passende Antwortkategorie nicht auswählen, weil sie die verfügbaren Optionen nicht genügend aufmerksam verarbeitet haben.
Zusammengefasst: Unaufmerksamkeit führt zu Mess- und Non Response-Fehlern. Unaufmerksamkeit führt auch zu einer Situation, in der «das Rauschen, das durch Teilnehmer entsteht, die die Anweisungen nicht lesen, die Zuverlässigkeit der Daten verringert und die mit der Durchführung von Studien verbundenen Kosten erhöht, da die Anzahl der Teilnehmer, die für ein zuverlässiges Ergebnis erforderlich ist, künstlich erhöht wird» (Oppenheimer et al. 2009, S. 873).
Explizite Ernsthaftigkeitsprüfungen
Was kann nun aber konkret getan werden, um dieses komplexe Datenqualitätsproblem in Antwortdaten zu adressieren? Zunächst: Warum schwierig, wenn es auch einfach geht? Anstatt durch komplizierte Verfahren auf das Verhalten von Teilnehmenden zu schliessen, kann direkt gefragt werden, ob Aufmerksamkeit vorhanden war. Diesen Ansatz verfolgen Ernsthaftigkeitsprüfungen (engl. «seriouseness checks»). Durch Fragen wie «Gibt es Gründe, weshalb wir Ihre Antworten nicht in unsere Analyse einfliessen lassen sollten?» oder «Es wäre sehr hilfreich, wenn Sie uns an dieser Stelle mitteilen könnten, ob Sie ernsthaft teilgenommen haben, sodass wir Ihre Antworten für unsere wissenschaftliche Analyse verwenden können, oder ob Sie sich nur durchgeklickt haben, um sich die Umfrage anzuschauen.», wird den Teilnehmenden die Möglichkeit gegeben, offen zu deklarieren, dass sie die Befragung nicht gewissenhaft ausgefüllt haben (Aust, 2013). Als Antwortmöglichkeiten bieten sich an: «Ich habe ernsthaft teilgenommen» und «Ich habe nur durchgeklickt, bitte verwenden Sie meine Daten nicht für die Analyse» (s. Abbildung 1).
Abbildung 1: Expliziter Seriousness Check am Ende einer Befragung.
Die entsprechende Frage kann entweder zu Beginn (Reips, 2002, 2008, 2009) oder am Ende des Fragebogens platziert werden (Buchanan et al., 2010; Ihme et al., 2009). In der Praxis wird sehr oft die zweite Option bevorzugt, da die Teilnehmenden am Ende der Befragung ihr tatsächliches Verhalten während der Befragung zuverlässiger einschätzen können als ihr geplantes Handeln.
Ernsthaftigkeitsprüfungen wurden auch im Rahmen einer Befragung zu den Bundestagswahlen 2009 untersucht (Aust et al, 2013). Insgesamt gaben 112 (3.2 %) der 3’490 Teilnehmenden an, nicht seriöse Angaben gemacht zu haben. In der anschliessenden Analyse zeigte sich, dass die restlichen 3’378 Teilnehmenden konsistentere Angaben gemacht hatten und dass die Prognose des Wahlergebnisses besser mit der Realität übereinstimmte, wenn die 112 Fälle, die sich selbst als nicht ernsthaft deklariert hatten, ausgeschlossen wurden. Andere Autorinnen und Autoren fanden in unterschiedlichen Kontexten auch Werte in der Höhe von 5 bis 6 % oder 30 bis 50 % (Musch & Klauer, 2002; Reips, 2009). Grundsätzlich dürfte die Menge an unseriösen Teilnahmen stark vom Befragungskontext sowie von den Anreizen der Teilnehmenden abhängen. Beispielsweise ist bei Befragungen, bei welchen am Ende eine Belohnung winkt, mit sehr tiefen Selbstdeklarationsquoten zu rechnen, da die Teilnehmenden befürchten, auf eine Gewinnchance verzichten zu müssen, wenn sie zugeben, unseriös ausgefüllt zu haben. Dies hängt wohl stark davon ab, wie Ernsthaftigkeitsprüfung und «Gewinnseite» verquickt sind.
Die Herausforderung bei diesem direkten Ansatz liegt grundsätzlich in einer geschickten Formulierung, welche die Teilnehmenden zu einer ehrlichen Antwort motiviert, sie gleichzeitig aber nicht vor den Kopf stösst. Auch gibt es Befragungen, bei denen dieser Ansatz aufgrund der Beziehung zu den Teilnehmenden weniger geeignet ist. Beispielsweise besteht bei einer offenkundigen Ernsthaftigkeitsprüfung am Ende einer Kundenzufriedenheitsbefragung das Risiko, Kundinnen und Kunden, welche sich die Zeit für die Befragung genommen haben, zu verärgern oder zu irritieren, was bei diesem Anwendungsfeld von den Auftraggebenden weniger gut toleriert würde. Bei Panel-Befragungen und Studien hingegen eignet sich dieser Ansatz besser, solange eine ehrliche Antwort auf diese Frage den Erhalt der Incentivierung für die Umfrage nicht verhindert.
Fischers Fritz fischt rote Heringe
Eine weitere Methode zur Identifizierung von Aufmerksamkeit besteht darin, offenkundig falsche oder absurde Antworten in einen Fragebogen einzubauen. Was aber hat das mit Fischen zu tun? Im englischen Sprachgebrauch bezeichnet ein Red Herring (roter Hering) ein Element, das in die Irre führt oder von einer relevanten oder wichtigen Frage ablenkt.
In der Umfrageforschung ist mit einem Red Herring eine Ablenkungsfrage als Massnahme zur Qualitätskontrolle gemeint. In eine Reihe von regulären Fragen werden ungewöhnliche Fragen eingefügt, um damit diejenigen Teilnehmenden zu identifizieren, welche die Umfrage vollständig gelesen und sich mit den Inhalten beschäftigt haben resp. jene, die dies nicht getan haben. Die bei Befragungen zu den sinnvollen, regulären Fragen gehörenden Ablenkungsfragen umrahmen dabei oft die dadurch nicht mehr saliente, «getarnte» Validitätsfrage. Als Hypothese gilt: Wer den roten Hering nicht sieht, ist nicht aufmerksam bei der Sache. Im Folgenden wird auf mehrere solche «Heringsarten» eingegangen, bei welchen Teilnehmende den Datenqualitätsfischern «ins Netz gehen» können.
Fiktive Antworten
In der NZZ-Leserbefragung 2005/2006 ergab sich ein kurioses Ergebnis: 189 von 1’883 Teilnehmenden (10 %) gaben an, dass ihnen das NZZ-Folio-Magazin mit dem Thema «Katastrophen» von allen Folios am besten gefallen habe. Der Clou? Dieses Heft gab es nie. Im Fall der NZZ scheint es plausibel, dass einige der 189 Probanden das Folio mit dem Thema «Katastrophen» wählten, weil sie sich nicht an alle NZZ-Folios erinnern konnten, dies aber nicht zugeben wollten und daher ein Heft mit einem spannend klingenden Titel wählten (Porst, 2014). Dabei ist anzumerken, dass zusätzliche Antwortvorgaben wie «Ich kenne die NZZ-Folio-Magazine nicht», «keine Angabe/weiss nicht» oder «Ich kann mich nicht entscheiden» hilfreiche Ausweichkategorien gewesen wären, die im NZZ-Szenario bei dieser Frage zur Steigerung der Datenqualität beigetragen, jedoch umgekehrt weniger Rückschlüsse auf verminderte Aufmerksamkeit zugelassen hätten.
Zu diesem sogenannten antizipierenden Antwortverhalten im Falle von Unwissen sind historisch zahlreiche Beispiele bekannt. Bishop et al. (1986) beschreiben diesen «pressure to answer» ausführlich. So gaben 70 % der Befragten in einem Fragebogen eine klare Meinung zum «Metallic Metal Act» ab – einem völlig fiktiven Gesetz (Gill, 1947). Gleiches geschah mit 30.8 % zum «Agricultural Trade Act of 1978» (Schuman und Presser, 1981) und mit 26.4 % zum «Monetary Control Bill» (Schuman und Presser, 1981). Auch Werner Wilken, ein aktuell nicht existierender Politiker, wird regelmässig in Umfragen gekannt, aber «man stimmt mit seiner Politik nicht ganz überein» (Porst, 2014). Dies gilt auch für weitere fiktive Politikerinnen und Politiker (EMNID, 1981; Reuband, 2000). Und je höher die formale Schulbildung der Befragten, desto bekannter sind die Fiktiven.
Aber warum ist das so? Die Kognitionspsychologie liefert eine Antwort: Befragungen wird Sinn unterstellt («die Ersteller des Fragebogens werden wohl seriös gearbeitet haben»): sinnlose Antworten widersprechen der Erwartungshaltung der Teilnehmenden. Dazu kommt eine Hemmung, zuzugeben, dass man etwas nicht kennt, das offenbar allgemein bekannt sein muss, da in einem Fragebogen ja kaum Spezialwissen abgefragt wird. Diese Annahmen treffen gehäuft Befragte, von denen viel formales Wissen erwartet wird. Stellt sich dann noch die Frage, ob man mit seiner Politik einverstanden ist, müssen die Flunkerer erneut lügen. Da sie ihn nicht kennen, liegt es nahe, dass die Politik nicht den eigenen Präferenzen entspricht. Fragen mit fiktiven Antworten sind also nur eingeschränkt geeignet, um nicht vorhandene Aufmerksamkeit zu erkennen. Sie widerspiegeln häufig nur die menschliche Eigenschaft, sich nicht blamieren zu wollen und deshalb möglichst passende oder konsistente Kommunikation zu selekieren.
Bogus-Items
Sogenannte «Bogus-Items» bergen das Risiko von heuristischen, spekulativen oder sozial erwünschten Ersatzantworten wie im vorherigen Abschnitt beschrieben deutlich weniger, weil die «richtige» Antwort sehr offensichtlich ist. Es handelt sich dabei zum Beispiel um Aussagen wie «Wasser ist nass», bei denen auf einer Zustimmungsskala eigentlich nur «stimme voll und ganz zu» adäquat ist.
Wer diese Frage mit «stimme ganz und gar nicht zu» beantwortet, hat höchstwahrscheinlich den Fragetext nicht aufmerksam genug gelesen (Gummer et al., 2021). Eine ähnliche Bogus-Frage ist «Ich wurde am 30. Februar geboren» (Beach, 1989) oder «I am currently filling out a questionnaire» (Hargittai, 2009; Meade & Craig, 2012). Bogus-Items werden oft in längere Abfolgen von Likert-Skalen, meist auf derselben Seite («Tabellenfragen») im Sandwich eingebettet.
Es wird also Aufmerksamkeit gemessen – und lediglich bei nicht offenkundig oder extrem genug formulierten Items auch die Tendenz, Nichtwissen mit Vermutungen zu kaschieren. Eine falsche Antwort lässt bei geeigneten Bogus-Items tatsächlich kaum Zweifel offen, dass Teilnehmende unaufmerksam oder absichtlich falsch geantwortet haben: Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand falsch positiv als unaufmerksame Person klassifiziert wird, ist also geringer. Aber Vorsicht: In Item-Batterien mit einem untergemischten Bogus-Item, in welchen a) alle Items die gleiche Skalenrichtung aufweisen und b) das Bogus-Item auch die richtige Antwort in dieser Richtung anbietet, können falsch negative Antworten entstehen – Nichtaufmerksamkeit bleibt dann unentdeckt, weil bei allen Items und zum Beispiel auch beim Bogus-Item «I am currently filling out a questionnaire» die «stimme voll und ganz zu»-Antwort – ohne zu lesen oder nachzudenken – ausgewählt wurde.
Teilnehmende erwarten in den meisten Umfragekontexten keine «Trick»-Items und laufen Gefahr, mit einer Zustimmungstendenz zu antworten, sobald das Item nur ausreichend schwammig formuliert ist (Meade & Craig, 2012). So könnten einige Teilnehmende dem Item «Meine Freunde vergleichen mich mit einem Pudel» tatsächlich willentlich zustimmen, weil Pudel soziale, verträgliche Tiere sind und Teilnehmende annehmen könnten, genau dies solle latent mit diesem Item «gemessen» werden. Auch hier kommt das kognitionspsychologische Thema «Sinn und Sensemaking» (Weick, 1995) zum Vorschein. Das Ziel von fiktiven Fragen und Bogus-Items ist es also, unaufmerksame Teilnehmende mit einer Antwort zu erwischen, die nicht möglich ist. Bei Bogus-Items (hier sind auch einfache Rechenaufgaben wie «2+3=?» beliebt) kann mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass Teilnehmende, die diese nicht korrekt beantworten, zu wenig aufmerksam sind. Bei fiktiven Fragen/Items dagegen (wie jener zu den NZZ-Folios) ist es möglich, dass auch aufmerksame Personen den Check nicht bestehen. Dies kann jedoch aus Sicht der Datenqualität auch wünschenswert sein: Ist das Ziel der Befragung die Identifikation der besten Magazin-Ausgabe dieses Jahres, sollten optimalerweise nur Personen in der Stichprobe sein, die sich genügend mit dem Magazin auseinandersetzen, um dessen Ausgaben in einer Liste wiederzuerkennen. Es geht dann aber nicht nur um den Ausschluss von Unaufmerksamkeit, sondern auch von weiteren Störvariablen wie Inkompetenz, sozialer Erwünschtheit oder inhaltsunabhängiger Zustimmungstendenz/Akquieszenz (Bauer, 2000).
Der Wirkungsgrad des Einsatzes von Bogus-Items zur Erkennung von Nichtaufmerksamkeit wurde breiter diskutiert (Breitsohl and Steidelmüller, 2018; Curran, 2016; Goldsmith, 1989), es wurde aber nur eine spärliche qualitätsverbessernde Wirkung attestiert und es wurden andere Methoden, zum Beispiel das blosse Einbauen von «Weiss nicht»-Antworten, die einen veritablen Teil der unsicheren oder antwortunwilligen Personen abfangen.
Anweisungsprüfungen (IMC, IRI)
Ein weiterer Ansatz zur Überprüfung der Aufmerksamkeit von Teilnehmenden ist die Integration von Anweisungsprüfungen. Hier erhalten die Teilnehmenden eine klare Anweisung zur Beantwortung. Wer diese Anweisung nicht befolgt, weist einen ungenügenden Grad an Aufmerksamkeit auf.
Anweisungsprüfungen können in Form einer ganzen Frage («Instructional Manipulation Checks» IMC) umgesetzt werden. Diese werden auch «screener» genannt (Berinsky et al., 2014). Ein Beispiel ist das Hinzufügen eines zusätzlichen Satzes am Ende einer Frage – eine Bemerkung, die den Befragten anweist, die Frage zu ignorieren und eine bestimmte Antwort zu geben, zum Beispiel «Bitte ignorieren Sie diese Frage und wählen Sie unten die vierte Antwort an.» (Alvarez & Li, 2021). Weitere Beispiele zeigen Abbildungen 2 und 3.
Abbildung 2: Instructional Manipulation Check mit hohem Schwierigkeitsgrad (Kung, 2018)
Abbildung 3: Instructional Manipulation Checks mit mittlerem Schwierigkeitsgrad (eigenes Beispiel)
Als zweite Form kann ein einzelnes Item innerhalb einer ansonsten inhaltlich relevanten Tabellenfrage implementiert werden («Instructed Response Items» IRI), beispielsweise als fünftes Item von acht mit dem Wortlaut «Wählen Sie in dieser Zeile ‘sehr zufrieden‘ an». (Gummer et al., 2021; DeSimone et al., 2015). Ein weiteres Beispiel zeigt Abbildung 4.
Abbildung 4: Instructed Response Item (IRI) in Zeile 6 (angelehnt an Podsakoff et al., 1990)
IMC und IRI finden in der Umfrageforschung unter anderem aufgrund der relativ einfachen Umsetzung grossen Anklang.
Die Exklusion von Teilnehmenden, welche IMCs nicht bestehen, führt dann zu höherer Konsistenz in der Datenanalyse (Oppenheimer et al., 2009). Das Exkludieren von IRI-Fällen aus dem Datenmaterial wird allerdings kontrovers diskutiert und hat nicht in allen Fällen eine höhere Datenqualität zur Folge (Gummer et al., 2021; Grezki et al., 2015; Anduiza & Galais, 2016). IRIs sind aber wie herkömmliche Methoden definitiv genauso oder teilweise sogar etwas zuverlässiger in der Lage, nichtseriöse Teilnehmende zu identifizieren (Jones et al., 2015; Gummer et al., 2021), beispielsweise mittels Messung der Bearbeitungsdauer (Speeder) oder der Identifikation von Null-Varianz-Antwortverhalten, sogenanntem Straightlining (Meier & Gwerder, 2022).
Moderne Systeme für Onlineumfragen können bei falsch beantworteten IMC und IRI die Frage auch nochmals stellen mit dem Hinweis, dass eine unplausible Antwort gegeben wurde, und der Bitte, die Fragen und Antworten genau zu lesen. Mit dieser alternativen Strategie sollen die fehlbaren Teilnehmenden nicht mehr ausgeschlossen werden. Sie sollen ihre Antworten korrigieren. Und genau dieses erneute Stellen einer IMC, so lange, bis die Teilnehmenden diese bestehen, führt zu erhöhter Aufmerksamkeit in den Folgefragen. Daher sollte diese spezifische Variante von IMC und IRI dann auch in einer der ersten Fragen des Fragebogens umgesetzt oder alternativ vor besonders wichtigen Fragen platziert sein, deren Beantwortung besonders gewissenhaft erfolgen soll. Diese Erkenntnis wurde in weiteren Studien besonders auch für komplexe Folgefragen bestätigt (Miller & Baker-Prewitt, 2009; Hauser & Schwarz, 2015), was den Wert von Anweisungsprüfungen als «moral changer» unterstreicht. Wie bei den Ernsthaftigkeitsprüfungen liegt die Herausforderung der Anweisungsprüfungen bei der Akzeptanz der Befragten. Eine oder in langen Fragebögen zwei IRIs oder IMCs werden von den meisten Teilnehmenden akzeptiert, eine zu hohe Zahl kann Befragte jedoch verärgern und deren Motivation negativ beeinflussen.
Pseudo-Fragen
Eine Alternative zu Anweisungsprüfungen stellen sogenannte «Mock Vignettes» dar, eine kurze Aufmerksamkeitsprüfung («Mock Vignette Check», MVC), die vor der eigentlichen Befragung eingefügt wird. Die Teilnehmenden werden dabei aufgefordert, einen kurzen informativen Text («Vignette») zu lesen und anschliessend einige Fragen dazu zu beantworten. Mit diesen Fragen wird geprüft, ob die Vignette aufmerksam gelesen und korrekt verstanden wurde. Teilnehmende, welche einen eingangs gestellten MVC bestehen, weisen im weiteren Fragebogenverlauf (gemessen an typischen Aufmerksamkeitsmetriken) höhere Aufmerksamkeit aus (Kane et al., 2023). Ausserdem zeigte sich, dass die zu Beginn des Fragebogens gestellten Pseudo-Fragen keinen negativen Effekt auf das Antwortverhalten im restlichen Fragebogen aufweisen, diesen also abgesehen von den Auswirkungen höherer Aufmerksamkeit nicht beeinflussten. Eine solche «Mock Vignette» zu Beginn des Fragebogens könnte mit einer Formatübung kombiniert werden, um die Teilnehmenden auf die Fragetypen vorzubereiten. Zum Beispiel: Diese erste Frage ist inhaltlich nicht relevant. Wir möchten Sie mit dem Ausfüllen vertraut machen und bitten Sie, den folgenden Text trotzdem genau zu lesen und die vier Fragen dazu auf der folgenden Seite korrekt zu beantworten.
Unserer praktischen Erfahrung nach sind solche experimentell anmutenden Checks für Kunden- und Mitarbeitendenbefragungen leider nur eingeschränkt geeignet und werden von Auftraggebenden selten akzeptiert, da Teilnehmende das Gefühl haben könnten, unter einen Generalverdacht mangelnder Aufmerksamkeit gestellt worden zu sein. Gummer et al. (2021) stellen in ihrer Studie denn auch fest, dass ein nicht unerheblicher Teil der Befragten Aufmerksamkeitskontrollen als lästig (16.8 %), verwirrend (10.1 %), manipulierend (10.4 %) oder als Kontrolle empfanden (25.0 %) resp. nicht belehrt werden wollen (24.3 %). Immerhin befand ein Drittel der Stichprobe (31.4 %) Aufmerksamkeitskontrollen als motivierend.
Widersprüchliche Antwort-Paare/-Sets
Widersprüchliche Antworten über zwei oder mehr inhaltlich gleiche Fragen hinweg sind eine weitere Methode, um Aufmerksamkeit zu erkennen. Und sie können in der Regel bei der Betrachtung einzelner Fragebogen relativ einfach identifiziert werden. Geben Teilnehmende bei zwei Fragen, die dasselbe Konstrukt erfassen, komplett unterschiedliche Antworten, oder ist eine bestimmte Antwort-Kombination schlichtweg unmöglich (beispielsweise ein 21-jähriger Student mit 15 Jahren Berufserfahrung), kann dies ein Hinweis darauf sein, dass Befragte dem Fragebogen nicht genügend Aufmerksamkeit schenken. Wenn eine Befragung zahlreiche Tabellenfragen enthält, kann bei der ersten und bei der letzten Tabellenfrage je einmal dasselbe Item eingebaut werden (z. B. «Meine Arbeitsstelle gefällt mir sehr.» und «Ich bin mit meiner Arbeitsstelle sehr zufrieden.»). Es kann dann überprüft werden, ob die Antworten diametral abweichen. Solche Fälle können dann für die Analysen exkludiert werden.
Aber Achtung: Bei heiklen Themen sind auch die aufmerksamen Teilnehmenden nicht a priori willig, wahre Antworten zu geben. In einer aktuellen Online-Studie zu riskantem Cannabisgebrauch fanden sich ähnliche Werte – 45.3 % der Teilnahmen wiesen inkonsistente Antworten auf (Schell et al., 2022). Wie aber sollte nun mit widersprüchlichen Antworten als Indikator für fehlende Aufmerksamkeit verfahren werden? Geeignete Methodiken für die jeweilige Befragung könnten sein (Bauer & Johnson, 2000):
Nichts tun: Auch widersprüchliche Antworten werden für die Analyse verwendet. Die Anzahl gibt lediglich einen Hinweis auf die Datenqualität und relativiert die Ergebnisse und deren Interpretation im Sinne eines Konfidenzintervalls.
Torhüter («Gatekeeper»): Nur die erste Antwort eines Falles wird für die Analyse verwendet. Darauffolgende einzelne Antworten, welche der ersten widersprechen, werden als «missing items» umcodiert. Der Datensatz an sich fliesst mit ein.
Limitierter Ansatz: Es wird eine Liste von besonders wichtigen Fragen definiert. Widerspricht sich ein/e Teilnehmer/in innerhalb dieser wichtigen Fragen, werden alle Antworten der Teilnehmerin/des Teilnehmers bei diesen wichtigen Fragen als «missing items» in die Ergebnisse aufgenommen.
Globaler Ansatz: Sämtliche Fälle mit inkonsistenten Antworten werden aus der Analyse ausgeschlossen.
Ansatz der inhaltlich überwiegenden Beweislage. Der Fragebogen und die besonders wichtigen Fragen aller Befragten, welche widersprüchliche Antworten gaben, werden sorgfältig geprüft und der Fallstatus wird auf der Grundlage der «überwiegenden Beweislage» zugewiesen, die durch die Auswertung der Antworten ermittelt wird (z. B. wenn es darum geht, Fragebögen zu typisieren und einer Kategorie zuzuordnen). Alle Antworten, die dem zugewiesenen Fallstatus widersprechen, werden als «missing items» betrachtet.
Je nach verwendetem Ansatz zum Umgang mit inkonsistenten Antworten ergibt sich eine unterschiedliche Zahl von exkludierten Fällen – 33 bei «nichts tun» bis zu 1374 beim «globalen Ansatz» (Bauer & Johnson, 2000) – und es ergeben sich damit signifikant unterschiedliche Analyseergebnisse. Es ist daher von grosser Bedeutung, die gewählte Methode kritisch zu bewerten und im Auswertungsreport genauestens zu deklarieren.
Umgepolte Items
Eine Spezialform widersprüchlicher Angaben sind doppelte Items, von denen eines rotiert ist. Solche «Fallen» (wir sind wieder bei roten Heringen) müssen dann zweimal genau entgegengesetzt beantwortet werden, ansonsten wäre eine Antwort widersprüchlich. Zum Beispiel kann ein Item im ersten Teil des Fragebogens untergebracht werden, ein zweites Item dann gegen Ende, wobei typischerweise dieselbe Likert-Skala verwendet wird. Das zweite Item erfragt denselben Inhalt wie das erste in leicht veränderter Formulierung, wird aber negiert (= rotiert) formuliert. Beispielsweise kann gefragt werden: «Das Produkt gefällt mir im Allgemeinen sehr gut.» (5-er-Skala von «trifft sehr zu» bis «trifft gar nicht zu»). Im weiteren Fragebogenverlauf könnte mit ausreichend grossem Abstand gefragt werden: «Ich finde die Produkte generell mangelhaft.» (5-er-Skala von «trifft sehr zu» bis «trifft gar nicht zu»). Konsistentes, aufmerksames Ausfüllverhalten müsste hier mindestens einigermassen diametrale Ergebnisse erzeugen. Die beiden Skalenwerte innerhalb desselben Falles dürften nach Umpolung eines der beiden Items (Gleichausrichtung) nur eine geringe Varianz aufweisen. Fälle, bei denen diese Bedingung verletzt wurde, könnten wegen Nichtaufmerksamkeit für die Datenanalyse exkludiert werden. Ein konkretes Beispiel zeigt Abbildung 5.
Abbildung 5: Erstes und drittes Item rotiert (angelehnt an Podsakoff et al., 1990)
Es ist allerdings zu bedenken, dass reverse Items unterschiedliche Bedingungen für gute und schwächere Leserinnen und Leser schaffen, da negativ formulierte Items eine höhere Sprachkompetenz und höheren kognitiven Aufwand erfordern und damit einen Bias in die Ergebnisse einsteuern können (Suárez-Alvarez et al., 2018), vor allem bei sprachlich schwächeren Zielgruppen (z. B. bei Kindern und Jugendlichen).
Offensichtliche Fragen
Eine weitere Technik zur Aufmerksamkeitsprüfung sind Fragen, die eine einzige plausible Antwort zulassen, nämlich «trifft zu». Werden solche Fragen auf einer Likert-Skala mit «trifft nicht zu» beantwortet, kann auf mangelnde Aufmerksamkeit geschlossen werden. Beispiel: «Es gibt Menschen, die eine andere Meinung haben als ich» oder «E ist ein Buchstabe». Allerdings ist eine Abstützung auf einzig diese Art von Aufmerksamkeitscheck kaum empfehlenswert und solche Fragen laufen Gefahr, als deutliche Fremdkörper wahrgenommen zu werden, weil deren Funktion von einer Vielzahl an Befragten nicht verstanden wird und sie dadurch irritierend wirken.
A Priori Fakes mit Bots
In den letzten Jahren wurde ein neues Problem erkannt, welches auf den ersten Blick aussieht wie aufmerksamkeitsloses Ausfüllen: das Einsetzen von Botnetzen (automatisierten Scripts, die Formulare ausfüllen) und dedizierten Umfrage-Bots zur Beantwortung kompletter Fragebogen, auch mit offenen Textantworten, bei welchen qualitätsmässig komplett sinnlose, willkürliche Antworten technisch abgefüllt werden. Dabei erzielen Teilnehmende im besten Fall Vergütungen für komplettierte Fragebögen, ohne dass sie selbst tatsächlich Fragen beantworten (Dupuis, 2018; Fullerton und McCullough, 2022). Gegen diese Techniken gibt es wenige wirkungsvolle Massnahmen. Das Abfragen einer anonymen «uniform identifier», einer «einzigartigen Identifikationskennung der Teilnehmenden». So kann beispielsweise in einer Single-Choice-Frage mit einigen Antwortvorgaben das Domizilland der Teilnehmenden abgefragt werden, wobei Bots dann über alle Datensätze hinweg in der Regel eine breite Varianz erzeugen, echte Teilnehmende aber nur das effektive Land auswählen, in dem sie wohnen und in dem die Studie auch durchgeführt wird oder nach dem sie rekrutiert werden – schlichtweg deshalb, weil sie die Frage verstehen (Fullerton & McCullough, 2022). Panels verwenden auch einen Test-Retest-Mechanismus, bei dem gleiche Fragen mit zeitlich stabilen Antworterwartungen über mehrere Fragebögen hinweggestreut sind. Wenn die Antworten der einzelnen Teilnehmenden auf diese Fragen nicht genau oder akzeptabel nahe übereinstimmen, wird der entsprechende Befragte aus dem Datensatz entfernt (Fullerton et al., 2009). Auch Google ReCAPTCHA können zu Beginn eines Online-Fragebogens eingesetzt werden; diese für Menschen einfach zu lösenden kleinen Aufgaben verwenden «eine fortschrittliche Risikoanalyse-Engine und adaptive Herausforderungen, um bösartige Software von missbräuchlichen Aktivitäten auf Ihrer Website abzuhalten» (Google, 2024).
Item Response Theory
Ein elaboriertes Verfahren zur Aufmerksamkeitserkennung post hoc, also nach bereits erfolgter Datenerhebung, stellen auch RaschPersonen-Fit-Indices dar. Sie bieten einen methodisch fortschrittlichen Ansatz zur Erkennung abweichender Antworten und identifizieren atypische Antwortmuster auf Personenebene, die zum Beispiel als Folge von Betrug oder fehlender Aufmerksamkeit auftreten können (Beck et al., 2019; Li & Olejnik, 1997). Dieses Verfahren ist allerdings nur anwendbar in Skalen, die nach der Item Response Theory (IRT) erstellt wurden (van den Wittenboer et al., 1997) und die eine ausreichende Länge und eine volle Range von Itemschwierigkeiten aufweisen. Für die Marktforschungspraxis sind diese Voraussetzungen im Unterschied zu psychologischen Testverfahren oder Kompetenztests oft nicht gegeben.
Guttman Errors
Guttman-Fehler, welche die Grundlage vieler nichtparametrischer Person-Fit-Statistiken bilden, eignen sich auch direkt für eine Posthoc-Erkennung abweichender Antwortmuster: Diese treten dann auf, wenn ein Befragter ein schwieriges Item zu einem Thema richtig und danach ein leichtes Item zum selben Thema falsch beantwortet. Voraussetzung dazu sind auch hier Skalen, die Konstrukte mit mehreren Items unterschiedlicher Schwierigkeit (item difficulty) messen. Guttman-Fehler können dann gezählt oder in Relation zur Gesamtzahl der Items gesetzt werden. So können abweichende Antwortmuster in Daten mit dichotomen Antwortskalen genau identifiziert werden (Emons, 2008; Karabatsos, 2003; Meijer, 1994; Meijer, Egberink, Emons, & Sijtsma, 2008). Beck et al. (2019) zeigen auch weitere Person-Fit-Methoden wie U3 personfit statistic, HT coefficient und standardized log likelihood auf.
Fazit
Eine proaktive Behandlung des Themas «Aufmerksamkeit in Umfragen» kann mit zahl- reichen Methoden umgesetzt werden, womit in der Regel die Datenqualität gesteigert werden kann. Es gibt aber keine eigentlichen Standardmethoden oder klare Empfehlungen. Viel wichtiger ist es, die Methoden den Erfordernissen der einzelnen Befragung und der Zielgruppe anzupassen und – gerade wenn Meinungsforschung für Auftraggebende durchgeführt wird – die Methodenwahl transparent zu begründen und zu dokumentieren. Umfrageverzerrungen werden somit vermindert und die Validität von Studien wird erhöht. Eher seltener führt das Exkludieren von nicht aufmerksamen Teilnehmenden jedoch zu einer thematisch relevanten Verzerrung der Stichprobe – dieses Risiko muss von Fall zu Fall geprüft werden. Aufmerksamkeitsprüfungen haben auch sekundäre Effekte und können aus verschiedenen Gründen die Beteiligung der Befragten erhöhen:
Sie können die Umfragen für Teilnehmende interessanter machen.
Rote Heringe oder Instructional Manipulation Checks unterbrechen die Monotonie einer Umfrage.
Sie halten die Aufmerksamkeit der Befragten aufrecht.
Aufmerksamkeitsprüfungen machen zwar den Fragebogen etwas länger, erhöhen jedoch die Wahrscheinlichkeit, dass die Befragten jede Frage vollständig lesen und verstehen.
Einzelne Teilnehmende ärgern sich über «Fremdkörper» oder «Fallen».
Partizipanten erkennen die Checks und setzen Vertrauen in die Wichtigkeit und Professionalität der Befragung.
Die Datenanalyse kann nach Exklusion betroffener Datensätze zuverlässiger und ressourcenschonender sein.
Ein sehr hoher Anteil an unaufmerksamen Teilnehmenden weist im Pretesting auf einen langen, komplizierten, unverständlichen oder monotonen Fragebogen hin oder darauf, dass die Teilnahmemotivation in der Stichprobe nicht ausreicht – ein Thema, dem allenfalls mit der richtigen Ansprache der Teilnehmenden und mit der Kommunikation des persönlichen immateriellen Profits für die Teilnehmenden begegnet werden könnte. Eine Incentivierung mit Geld kann gefährlich sein und Aufmerksamkeitsprobleme sogar im Sinne einer Jagd auf abgeschlossene Fragebögen verschärfen.
Leiner (2019) empfiehlt generell, als wichtigstes Merkmal von Aufmerksamkeit eine angemessene Ausfülldauer des Fragebogens zu Rate zu ziehen, vor allem, wenn im Fragebogen keine Informationen nachgeschlagen werden müssen oder andere komplexe Fragen gestellt werden, die Unterbrüche generieren.
Möglicherweise können mehrere Methoden und Fragen zur Aufmerksamkeitsprüfung eingesetzt werden, die sich methodologisch ergänzen. Auch die Position von Aufmerksamkeitsfragen innerhalb des Fragebogens sollte bedacht werden. Während die Positionierung am Anfang des Fragebogens auf die Teilnehmenden eher präventive Wirkung auf die weitere Aufmerksamkeit im Fragebogen zeigt und für die Auswertungen ein Signal für eine von Anfang an mangelnde Aufmerksamkeit sein kann (z. B. bei testweise Teilnehmenden, Incentivierungsjägern, Teilnahmen aus Neugier), motivieren zwischendurch gestellte Aufmerksamkeitschecks die Teilnehmenden und «halten sie wach». Gegen Ende der Befragung gestellte Checks dienen meist primär der Identifikation von Teilnehmenden, deren Interesse oder deren Konzentration im Fragebogenverlauf verloren gegangen ist.
Um Teilnehmende nicht zu verärgern oder als Versuchsobjekte zu deklassieren, sollten solche Items jedoch insgesamt vor allem bei fragilen Zielgruppen und allenfalls bei Personen, die nur einmal teilnehmen (z. B. Kunden, Messebesucher etc.), zurückhaltend oder sogar nur in Pretests eingesetzt werden, um eine Kenngrösse für eine allfällige Aufmerksamkeitsproblematik zu erhalten und diese für Konfidenzintervalle der Ergebnisse der Hauptbefragung im Hinterkopf zu behalten.
Raffael Meier ist Mitgründer/CTO von onlineumfragen.com und Pionier der deutschsprachigen Online-umfragetechnologie. Er befasst sich mit gesellschaftlichen, technischen und methodologischen Aspekten von Daten.
Kathrin Staub ist Mitgründerin von onlineumfragen.com und Principal Consultant. Spezialisiert auf die Beratung namhafter nationaler und internationaler Unternehmen in den Bereichen Methodik und Fragebogenkonstruktion.
Nina Gwerder ist ehemalige Lead Consultant bei onlineumfragen.com mit Schwerpunkten in den Themen Statistik, Datenqualität und effektive Auswertung von Onlineumfragen.
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